Berliner Morgenpost, November 8, 2011

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Elvis Costello braucht keine Band


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Ein Mann und seine Gitarre. Mehr braucht Elvis Costello nicht, um sein Publikum zu fesseln. Im Berliner Tempodrom spielte er sich solo durch nahezu jedes Genre.

Es ist die ultimative Prüfung für einen Musiker, wenn er sich ohne Band seinen Fans stellt. Elvis Costello meisterte die Herausforderung bei seinem einzigen Deutschland-Konzert bravourös. Mit wechselnden Gitarren unterhielt er die mehr als 3000 Zuhörer im Tempodrom in Berlin zweieinhalb Stunden lang. Ob "Alison," "Watching The Detectives" oder der Charles Aznavour-Klassiker "She," den er vor gut zehn Jahren für den Film Notting Hill einsang: Kaum ein Hit fehlte.

Costello, bürgerlich Declan Patrick McManus, hat in seinen mehr als 30 Jahren im Musikgeschäft mit unterschiedlichsten Richtungen experimentiert. Als Punk-Rocker fing er an, inzwischen spielte er alles von Rock 'n' Roll bis Klavier-Balladen. Es gab Platten mit der Opernsängerin Anne Sofie von Otter, dem Evergreen-Komponisten Burt Bacharach, der Songwriter-Legende T Bone Burnett. Zuletzt versetzte sich Costello, passend zu den heutigen Turbulenzen, in die Stimmung der großen Wirtschaftskrise der 20er-Jahre und machte daraus vor einem Jahr das Album National Ransom.

In Berlin war Costello eher der Rocker, auch allein. In Anzug und mit einem Hut über seiner typischen schwarzen Hornbrille kam der 57-Jährige auf die Bühne, mit den ersten Takten eines seiner ersten Songs – "(The Angels Wanna Wear My) Red Shoes."

Den ganzen Abend war es erstaunlich, wie ein Mann mit einer Gitarre Bass, Schlagzeug oder Background-Sänger vergessen lassen kann. Schließlich klingt Costellos unverkennbare Stimme selbst wie ein Instrument: mal klar, mal heiser, mal tief, mal zusammengepresst wie ein kaputtes Fagott. Allein schon die Stimme füllte das in Beton erstarrte Zirkuszelt des Tempodroms voll aus, dazu gab die Gitarre den Rhythmus vor.

Und wie kann der Mann spielen! Costello fühlte sich an einem Punkt an seine Anfänge als Alleinunterhalter in einer Bar erinnert – und diese harte Schule ist unverkennbar. Oft genug konnte man fast denken, dass da in Wirklichkeit zwei Leute in die Saiten greifen, beim Höhepunkt des Abends, der wehmütigen Ballade "I Want You" stöhnte und dröhnte die E-Gitarre in seinen Händen herzzerreißend.

Zur Ballade "Everyday I Write A Book" (Costello: "Ein Song, den ich wirklich hasse") klangen die Saiten wie kristallklare Nadelstiche. Für "No Wonder" oder "Shipbuilding" setzte er sich ans E-Klavier, beim frühen Song "Radio Sweetheart" rekrutierte er das Publikum zur Begleitung. Zum Schluss sang Costello sogar ganz intim ohne Mikrofon am Bühnenrand und rief das Publikum auf, einfach näher zur Bühne zu kommen.

Das einzige Deutschland Konzert der Solo-Tour dürfte auch vorerst das letzte bleiben – Costello versprach, nächstes Mal mit einer Begleitband wiederzukommen.



Tags: AlisonWatching The DetectivesCharles AznavourSheNotting HillDeclan MacManusAnne Sofie von OtterBurt BacharachT Bone BurnettNational Ransom(The Angels Wanna Wear My) Red ShoesI Want YouEveryday I Write The BookNo WonderShipbuildingRadio SweetheartTempodromBerlin

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Berliner Morgenpost, November 8, 2011


Berliner Morgenpost reviews Elvis Costello, solo, Monday, November 7, 2011, Tempodrom, Berlin, Germany.

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2011-11-08 Berliner Morgenpost photo 01.jpg
Elvis Costello im Berliner Tempodrom.

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