Berliner Morgenpost, October 24, 2003

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Herbst-Blues

Elvis Costello über die zahme Jugend, die Weisheit des Alters und seine Brille
Zieht längst die getragenen Töne vor:
Der einstige Punk-Rocker Elvis Costello spielt morgen in Berlin

Josef Engels

Elvis Costellos neue Platte ist eine gegensätzlich geratene Sammlung von Balladen, eingespielt mit Streichern, Hörnern und Flügel. Costello singt dazu den Bildungsbürger-Blues über altes Leid und neue Liebe. Mit Costello sprach Josef Engels.

Berliner Morgenpost: Meinen Sie, man muss ein gewisses Alter haben, um Musik mit Anspruch zu mögen?

Elvis Costello: Es gibt viele Arten von Musik, die einen als Kind ungeduldig werden lassen. Musik, die aus komplizierten Formen besteht, wie Jazz oder Klassik. Als ich klein war, wurden mir Chopin, Grieg, Mozart oder die Brandenburgischen Konzerte vorgespielt. Das war nachvollziehbar wegen der Melodien. Es lief auch viel Frank Sinatra, Peggy Lee oder Mel Tormé im Haus. Man entfernt sich von dieser Musik, wenn man älter wird. Du triffst deine eigenen Entscheidungen und kaufst deine eigenen Platten. Aber irgendwann entsinnt man sich wieder der alten Dinge. Die Musik auf meiner neuen Platte kommt nicht völlig unvorbereitet.

Können junge Leute diese Musik verstehen?

Warum nicht? Sie mag sich denen verschließen, die denken, dass authentische Gefühle nur geschrieen ausgedrückt werden können. Die anders strukturierten Formen meiner Musik würden sie nicht verstehen. Es gibt da keine Gitarren, keinen Backbeat, an dem man sich festhalten kann. Als ich ein Teenager war, habe ich mich mit Musik, die mir eigenartig erschien, auseinander gesetzt. Etwa Joni Mitchells erste Platte, wo sie nur in klarem Sopran singt. Sehr verstörend. Auch ihre Texte über den Verlust von Idealen. Ich fand das trotzdem faszinierend. Man soll nicht denken, dass junge Menschen unfähig sind, Musik zu verstehen, die anders ist als das, was die Industrie ihnen mit viel Lärm andrehen will. Ich wäre jedoch nicht überrascht, wenn sie meine Musik trotzdem nicht begriffen.

Droht die Jugend derzeit, musikalisch zu verrohen?

Ach was. Ich finde keine der zurzeit angesagten Bands besonders einschüchternd. Bestimmt nicht so einschüchternd, wie sie gern sein möchten. Ich finde das alles ziemlich ängstlich, vorhersehbar und memmenhaft. Die modernen Punkbands sind doch nur Kopien. Ich will damit nicht sagen, dass heute nichts von Wert passiert. Ich glaube nur nicht, dass es von diesen Gruppen kommt. Die müssen noch härter werden.

Sagen Sie doch mal: Was kann die Jugend von Ihnen lernen?

Ich weiß doch nichts. Die können nix von mir lernen. Doch: Wie man sich aus einem zornigen jungen Mann in einen Klassiker verwandelt. Meine Musik fing weit weniger wütend an, als immer geglaubt wird. Es war sehr viel Verwirrung und Zweifel in dieser Musik, vorgetragen mit großer Überzeugung, die das Ganze erzürnt erscheinen ließ. Ich habe später weit bösere Songs geschrieben. Sie sorgten nur nicht für so viel Überraschung, weil man sich daran gewöhnt hatte. Gerade in den neunziger Jahren habe ich Lieder geschrieben, die im Text extrem aggressiv sind. Da steckt viel Enttäuschung über die Welt drin.

Die neue Platte heißt "North" und ist oft recht traurig.

Norden heißt eigentlich: nach oben. Es ist ein optimistischer Titel, obwohl der Norden normalerweise mit Kälte in Verbindung gebracht wird. Glauben Sie mir: Es gab ernsthafte Diskussionen darüber mit der Plattenfirma, ob dieser Name zu einer Platte mit solch einem hohen Grad von Zärtlichkeit, Emotionen und Wärme passt.

Es ist schon eher eine Herbstplatte.

Das stimmt.

Haben Sie das Gefühl, im Herbst Ihres Lebens zu sein?

Ich hoffe nicht. Ich werde 49, das ist doch noch relativ jung. Ich glaube, es gibt noch genügend Wechsel und Überraschungen in meinem Leben. Wenn man nur die Platten kennt, die in den letzten Jahren herausgekommen sind, weiß man nicht viel von Musik. Ich zum Beispiel höre sehr viele deutsche Kunstlieder, obwohl ich die Sprache nicht beherrsche. Da geht es oft um die Natur und die Jahreszeiten als Abbild des menschlichen Seins. Ich habe auch schon vorher Stücke geschrieben, die sich stark auf Schubert beziehen. Nicht, dass ich Schubert zu imitieren versuchte.

Wann wurde das geschrieben? Bevor öffentlich wurde, dass Sie sich von Ihrer Frau getrennt und mit Diana Krall verlobt haben?

Es ist gefährlich, diese Platte in einen chronologischen Zusammenhang mit meinem Leben bringen zu wollen.

Trotzdem - schmerzhafte Trennung und neues Liebesglück sind als Themen offensichtlich.

Das Leben ist komplizierter, als es die besten elf Songs jemals kundtun könnten. Ich erzähle Dir nicht alles über mein Leben, sondern habe nur Lieder geschrieben, die teilweise auf meine Erfahrungen basieren. Es sind immer noch Songs, keine Polaroids. Die realen Erlebnisse sind oft nicht erfreulich, daraus ließe sich wenig Unterhaltsames machen.

Ist wenigstens Ihre Brille echt?

Ich muss eine Brille tragen, seit ich 18 bin. Dass ich die nur zum Spaß aufhabe, ist auch so eine Legende. Sehschwäche liegt bei mir in der Familie. Da tragen alle Brille.

Konzertsaal Universität der Künste, Hardenbergstr. 33, Charlottenburg. Tel.: 31 85 23 74. Morgen, 20 Uhr.

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Berliner Morgenpost, October 24, 2003


Josef Engels previews Elvis Costello & Steve Nieve, Saturday, October 25, 2003, Universität Der Künste, Berlin, Germany. A version of this interview also appeared in Die Welt.


Autumn Blues

Elvis Costello over the zahme youth, the wisdom of the age and its eyeglasses also completely prefers long the carried tones
The former Punk Rocker Elvis Costello plays tomorrow in Berlin

English via Google Translate...

Elvis Costello's new album is brought in a collection oppositely turned out by Balladen, with Streichern, horns and wings. Costello sings in addition the Bildungsbuerger Blues over old wrong and new love. Josef Engels spoke with Costello.

Berlin Morgenpost: Do you, one mean must a certain age have, in order to like music with requirement?

Elvis Costello: There are many kinds of music, which one as a child become impatient to let. Music, which consists of complicated forms, like jazz or classical period. When I was small, Chopin, Grieg, Mozart or the Brandenburg concerts were played for me. That was comprehensible because of the melodies. Also much Frank Sinatra, Peggy Lee or Mel Tormé ran in the house.

One departs from this music, as one becomes older. You make your own decisions and buy your own records. But one remembers oneself sometime again the old things. The music on my new album does not come completely unprepared.

Can young people understand this music? Why not?

They may look for those, which think that authentic feelings can only be expressed loudly. The differently structured forms of my music would not understand it. There are there no guitars, no Backbeat, to which one can hold on. When I was a young rodent, I had sat down with music, which appeared strange to me, apart. About Joni Mitchell's first album, where it sings only in clear Soprano.

Very much disturbing. Also their texts over the loss of ideals. I found nevertheless fascinating. One is not to think that young humans are unable to understand music those different is than what wants to turn the industry them with much noise. I would not be surprised however, if they did not understand my music nevertheless.

Does the youth threaten, at present in music to raw?

Oh which. I particularly do not find to the to time of announced volume intimidating. Certainly not so intimidating, as they would like to be gladly. I find that rather fearfully, foreseeable and memmenhaft everything. The modern Punkbands is nevertheless only copies. I do not want to say with the fact that today nothing from value happens. I do not believe that it comes from these groups. Those must become still harder.

Say nevertheless times: What can the youth learn from you?

I know nevertheless nothing. Those can learn nix from me. But: As one from a zornigen young man into a classical author transforms. My music began far less furiously, than always one believes. It was very much confusion and doubt in this music, spoken with large conviction, which let the whole appear enraged. I wrote later far worse songs. They did not provide for so much surprise, because one had grown accustomed to it. Straight ones in the Nineties I wrote songs, which are extremely aggressive in the lyrics.

There much disappointment is over the world in it. The new album is called "North" and is often quite sad. The north is actually called: upward. It is an optimistic title, although the north is normally brought with cold weather in connection. Believe me: There were serious discussions over it with the record company whether this name fits an album with such a high degree of tenderness, emotions and warmth. It is already rather an autumn album.

That is correct. Do you have the feeling to be in the autumn of your life?

I do not hope. I become 49, that am nevertheless still relatively young. I believe, it give still sufficient changes and surprises in my life. If one knows only the albums, which came out in the last years, one does not know much of music. I for example hear very many German art songs, although I do not know the language. There it often concerns nature and the seasons as image of the human Seins. I already before wrote pieces, which refer strongly to Schubert. Not that I tried to imitate Schubert.

When was that written? Before it became public that you separated from your wife and got engaged with Diana Krall?

It is dangerous to want to bring this plate into a chronological connection with my life. Nevertheless - painful separation and new dear luck are obvious as topics. The life is more complicated, than the best eleven Songs could do it ever kundtun. I am not telling you everything about my life, but only writing songs, which are partly based on my experiences. There is not still Songs, Polaroids. The material experiences are often not pleasing, from this little Unterhaltsames could be made.

At least are your eyeglasses genuine?

I must carry eyeglasses, since I am 18. That I up-have only to the fun, is also so a legend. Weak sight is with me in the family. There carry all eyeglasses.

Concert Hall, University Of The Arts, Hardenbergstr. 33, Charlottenburg. Tel.: 31 85 23 74. Tomorrow, 8 o'clock.

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