Berliner Morgenpost, October 8, 2014

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ELVIS COSTELLO

"Wenn ich solo auftrete, kann ich Extreme ausloten"


Alexander Gumz

Elvis Costello gastiert im Admiralspalast. Welche Songs er dann singt, entscheidet er ganz spontan. Das verhindert, dass die Konzerte langweilig werden.

Elvis Costello, im August 60 Jahre alt geworden, ist einer der großen Singer-Songwriter der Gegenwart. Ende der 70er-Jahre begann er als intellektueller Angry Young Punk mit seiner Band The Attractions. Aber Costello kann alles: Rock'n'Roll, Funk, Blues, Jazz, Streichquartett, Piano-Balladen und Orchestersuiten für Shakespeare-Stücke. Kaum ein Pop-Musiker seiner Generation ist so vielseitig und hat zugleich eine so markante Handschrift und Stimme wie er. Die kann man erleben, wenn er am Donnerstag solo in den Admiralspalast kommt – nur Costello und Gitarre.

Berliner Morgenpost: Mr. Costello, Sie sind im August 60 Jahre alt geworden. Irgendwelche Tipps für all die jungen Rock 'n' Roller da draußen, wie man im Pop-Business älter wird mit Würde und Stil?

Elvis Costello: Ich glaube, man kann nur versuchen, genau das zu tun, was sich richtig anfühlt für einen selbst. In meiner Arbeit hat Jugend nie eine allzu große Rolle gespielt. Die Leute haben schon, als ich zum ersten Mal in der Öffentlichkeit auftrat,, behauptet, ich würde lügen, wenn es um mein Alter ging – ich wäre 30, und ich war gerade mal 22. Seither habe ich das Ganze eher als Komödie betrachtet. Jedes Mal, wenn man einen dieser großen Geburtstage hat, rufen deine Freunde an und tun so, als ginge die Welt unter: Mein Gott, du wirst 21, 30, 40, 50! Aber ich bin immer noch da, überraschenderweise, und froh, am Leben zu sein. Und ich tue, was ich tue, so gut ich es kann.

Zum Geburtstag sind Sie unterwegs mit einer Solo-Tour. Was ist das Besondere daran, allein auf der Bühne zu stehen?

Wenn ich solo spiele, habe ich die größte Freiheit. Ich kann Rock 'n' Roll spielen oder Balladen, ein brandneues Stück oder etwas, das ich geschrieben habe, als ich 17 war. Und ich spiele nicht die Aufnahmen nach. Ich spiele den rohen Sound der Komposition. Wenn ich solo auftrete, kann ich Extreme ausloten – von all den Krach, den ich mit einer E-Gitarre machen kann, zu etwas sehr Intimen, das man nur hinbekommt mit einem Instrument, einem Mikrofon und jemandem, der leise vor sich hin singt. Die Leute lehnen sich auf ihren Stühlen vor, ich lehne mich auf meinem Stuhl vor, und wir sind ganz nah beieinander. Das ist die Schönheit, diese Art Kontakt.

Sie spielen selten an zwei Abenden genau dieselben Songs. Wie bauen Sie Ihre Konzerte denn auf?

Eine Strategie ist, dass es in meinem Kopf eine Art Thema gibt, das einzelne Stücke verbindet. Ich schreibe kein Skript für meine Shows, aber am Nachmittag, wenn ich den Konzertsaal sehe, entscheide ich, was ich am Abend spielen werde. Kann sein, ich habe in einem alten Vaudeville-Theater das Gefühl, es wäre passend, Songs übers Reisen zu singen. Woanders scheint es vielleicht angemessener, Stücke über die verschiedenen Formen der Liebe zu spielen. Aber ich habe keine starre Methode. Ich versuche, das spontan zu halten. Wenn ich ein paar Songs singe, die gut zueinander passen, kommt es vor, dass ich noch fünf, sechs andere spiele, an die ich vorher überhaupt nicht gedacht habe. Neulich habe ich einige zum ersten Mal wieder gespielt, nach 35 Jahren.

Ist das, als würde man Coverversionen spielen von Stücken, die ein jüngeres Ich geschrieben hat?

Wenn ich meine alten Songs spielen will, behandle ich sie in der Regel so, als hätte ich sie gerade eben irgendwo gefunden und sie noch nie im Leben gesehen oder gehört – ein bisschen, als stammten sie von jemand anderem, ja. Und es ist gut für mich, Lieder auf diese Weise wiederzuentdecken, dann kann ich sie mit einem frischen Gefühl von Überraschung spielen.

Wie schaffen Sie es, so oft auf der Bühne zu stehen, ohne sich zu langweilen?

Hin und wieder nehme ich ein Stück, das in der Studioversion sehr üppig arrangiert ist, und spiele es so, wie ich es geschrieben habe – in meinem Schlafzimmer, morgens um drei. Man versteht jedes Wort, und vielleicht kommt dabei sogar etwas Tragisches zum Vorschein, das einem gar nicht aufgefallen war. Manchmal ist ein Lied laut und aggressiv zu spielen, eine Art Panzer um seine Emotionalität. Und man braucht eine Weile, bis man merkt, dass es etwas Leises, Anrührendes hat. Wenn man es in dieser nackten Form spielt, kann man das hörbar machen. Andersrum geht das aber auch: Hin und wieder nehme ich eine Ballade und kremple sie um, und sie bekommt eine Energie, die sie vorher nicht hatte. Das verhindert, dass die Konzerte zu vorhersehbar werden – für mich selbst, aber auch fürs Publikum.

Sie haben viel mit unterschiedlichen Musikern zusammengearbeitet, von Paul McCartney über Burt Bacharach, Chet Baker, das Brodsky Quartett, Anne Sofie von Otter bis zu The Roots. Was reizt Sie daran?

Ich bin einfach neugierig auf jede Form von Musik, habe auch Stücke für Tanzkompanien geschrieben und für Symphonieorchester. Aber diese Sachen waren nie wirklich geplant, sie sind einfach passiert. Die längste Zeit über habe ich mich gar nicht als jemanden betrachtet, der mit anderen zusammen Musik schreibt. Das fing erst in den späten 80er-Jahren an, als ich mit Paul McCartney arbeiten durfte. Ich meine, wer hätte sich vorstellen können, dass ich mal Songs schreiben würde mit Paul McCartney? Das wär doch völlig verrückt gewesen und auch arrogant, zu glauben, ich könnte sein Songwriting verbessern! (lacht) Aber er hat mich damals gefragt, und wir hatten eine Menge Spaß zusammen. Einige der Lieder habe ich neulich zum ersten Mal live gespielt, in der Carnegie Hall in New York. Berühmte Adresse. Und wissen Sie was – sie klangen großartig! Die Songs haben sich wirklich gut gehalten.

Verändern sich Lieder, die Sie für Andere geschrieben haben, wenn Sie sie selbst singen?

"For the Stars" zum Beispiel habe ich für die klassische Sängerin Anne Sofie von Otter geschrieben. Es hat eine große, starke Melodie. Sehr emotionales Stück. Es geht darin um das, was ich mache: eine Beziehung zu finden zum eigenen musikalischen Talent. Wenn ich das selbst singe, wird es zu einem völlig anderen Song. Die Leute erkennen ihn in der Regel kaum. Aber so etwas kann auch passieren mit Stücken, die ich seit 1977 regelmäßig spiele. Die Fassung, die Sie hören werden, kann völlig anders klingen als jede andere Version zuvor.

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Berliner Morgenpost, October 8, 2014


Alexander Gumz previews Elvis Costello solo, Thursday, October 9, 2014, Admiralspalast, Berlin, Germany.

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Vielseitiger Künstler: Elvis Costello spielt ein Lied lauter, wenn er einen "Panzer" um seine Gefühle legen will

Elvis Costello

"When I perform solo, I can fathom Extreme"

Elvis Costello guests at the Admiral Palace. Which songs he sings then he decides spontaneously. This prevents the concerts are boring.

English via Google Translate...

Elvis Costello born in August, and 60 years old, is one of the great singer-songwriters of our time. At the end of the 70's he began as an intellectual Angry Young punk with his band The Attractions. But Costello does: rock and roll, funk, blues, jazz, string quartet, piano ballads and orchestral suites for Shakespearean plays. Hardly a pop musician of his generation is so versatile and has at the same time as a distinctive handwriting and voice as he. The one can experience when he solo comes in the Admiral's Palace on Thursday - only Costello and guitar.

Berliner Morgenpost: Mr. Costello, you have become in August 60 years old. Any tips for all the young rock 'n' rollers out there, how in the pop business is older with dignity and style?

Elvis Costello: I think you can try to do just that, only what feels right for itself in my work youth has never played a great role. The people have when I appeared for the first time in public said I'd be lying if it was about my age - I was 30 and I was only 22, I have since the whole thing rather regarded as a comedy. Every time you have one of those big birthdays, call your friends and pretend as if the world under: My God, you're 21, 30, 40, 50! But I'm still there, surprisingly, and glad to be alive. And I do what I do as best I can.

Birthday you are traveling with a solo tour. What is special about it to stand alone on stage?

When I play solo, I have the greatest freedom. I can play Rock 'n' Roll or ballads, a brand new piece or something that I wrote when I was 17. And I do not play according to the recordings. I play the raw sound of the composition. When I perform solo, I can explore Extreme - of all the noise that I can do with an electric guitar, something very intimate that one can only be possible with an instrument, a microphone and someone singing softly to herself. People sit in front of their chairs, I lean against my chair, and we are very close to each other. That's the beauty of this type of contact.

They rarely play on two nights exactly the same songs. As you build your concerts on that?

One strategy is that there is a kind of theme in my head that connects individual pieces. I'm writing a script for my shows, but in the afternoon, when I see the concert hall, I decide what I'm going to play in the evening. Maybe I have an old Vaudeville feel it would be appropriate to sing songs about traveling. Found it may seem more appropriate to play pieces on the various forms of love. But I have no rigid method. I try to keep the spontaneous. When I sing a couple of songs that go well together, it happens that I have five, six other games, which I have not thought of before. The other day I played some for the first time, after 35 years.

Is this, as if you were playing cover versions of pieces that's written a younger self?

If I want to play my old songs, I treat them normally as if I had just been found somewhere and never seen or heard of in life - a bit as though they came from someone else, yes. And it's good for me to rediscover songs in this way, then I can play it with a fresh feeling of surprise.

How do you manage so often to stand on stage without getting bored?

Every now and again I take a piece that is arranged very abundant in the studio version, and play it the way I wrote it - in my bedroom in the morning at three. We understand every word, and perhaps even doing something tragic comes to light, it was one I did not notice. Sometimes a song is playing loud and aggressive, a kind of armor around his emotionality. And it takes a while before you realize that it something quiet, has inspiring views. If you play it in this naked form, you can make the place. The other way that goes well: Every now and again I take a ballad and they roll up to, and she gets a power they did not have before. This prevents the concerts are too predictable - for myself, but also for the audience.

You have worked a lot with different musicians, from Paul McCartney about Burt Bacharach, Chet Baker, the Brodsky Quartet, Anne Sofie von Otter to The Roots. What appeals to you?

I'm just curious to any form of music, have also written pieces for dance companies and for symphony orchestra. But these things were never really planned, they just happened. The longest time I have not thought of myself as someone who writes music together with others. It all started in the late 80s, when I got to work with Paul McCartney. I mean, who could have imagined that I would sometimes write songs with Paul McCartney? That would be have been completely crazy and arrogant to think I could improve his songwriting (laughs) But he asked me back then, and we had a lot of fun together. Some of the songs I recently played live for the first time, in Carnegie Hall in New York. Famous address. And you know what - they sounded great! The songs have really held up well.

Change songs you have written for others, when you sing yourself?

"For the Stars" for example, I've written for the classical singer Anne Sofie von Otter. It has a large, strong melody. Very emotional piece. It's about what I do: to find a rapport with his musical talent. When I sing it yourself, it becomes a completely different song. People hardly recognize it as a rule. But such a thing can also happen with pieces that I play regularly since 1977. The version that will hear may sound completely different than any other version before.

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