Berliner Zeitung, October 27, 2003

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ELVIS COSTELLO SPIELTE IN DER UNIVERSITÄT DER KÜNSTE

Wie alles sich zusammenfügt


Jens Balzer

Angesichts des überwältigenden, herzerwärmenden und allesumarmenden Jubels, den Elvis Costello am Sonnabend in der Universität der Künste entfacht hat, bei einem geradezu verehrungswütigen, den Künstler mit minutenlangen Standing Ovations immer wieder kompromisslos auf die Bühne zurückapplaudierenden Publikum; angesichts dieses wunderbaren, die Zuhörer erst nach drei wie im Fluge vergehenden Stunden glücklich und erschöpft entlassenden Konzerts, an dessen Ende Elvis Costello mit seinen Freunden im Chor sang wie mit einer großen Familie; angesichts dieses durch und durch menschenfreundlichen und alles und jeden umarmenden Auftritts sollte man einmal, ein letztes Mal, bevor es bei den jungen Menschen, die Elvis Costello vielleicht nur noch von Abenden wie diesen kennen, ganz in Vergessenheit gerät, noch einmal auf folgenden Umstand hinweisen:

Als junger Mann, am Anfang seiner Karriere, Mitte der siebziger Jahre, war Elvis Costello einmal der entschiedenste und überzeugendste Misanthrop, den es im Popgewerbe gab; ein Feind aller Menschen und insbesondere der Frauen; ein polternder Pub- und Punkrocker, der mit seinem ewig gleich-nichtgesungenen Cockneygenäsel von der Welt nur als von einem zu verlassenden Jammertal kündete und von Liebesbeziehungen ausschließlich in der Metaphorik faschistischer Kriegsführung sang.

Das war vor Jahren. Jetzt ist Elvis Costello fast fünfzig Jahre alt, frisch verliebt und ein Künstler; als wichtigste Inspiration für sein neues Album "North" hat er den Komponisten Franz Schubert benannt. Das Erstaunliche daran ist nun: Es stört einen nicht weiter; weder auf der Platte noch während des dazugehörigen Konzerts. Seit seiner Wendung zur großen Kunst, irgendwann Anfang der neunziger Jahre, hat Elvis Costello zwar einen ganzen Haufen prätentiösen Quarks abgeliefert, man denke an seine Shakespeare-Vertonung mit dem Brodsky-Quartett. "North" aber ist eine wunderbare, trotz des unverkennbaren Kunstwollens ganz mühelos und leicht wirkende Platte geworden; mit Melodien, die einem nicht mehr aus dem Kopf gehen - und mit einem Gesang, der so wagemutig und schön ist, so pop-haft unverbildet und doch so kühn sich in höchste Baritonhöhen schraubend, wie man es von Costello selbst auf seiner bisher am schönsten gesungenen Platte "Painted From Memory" nur selten gehört hat. Dass auch das Konzert am Sonnabend nun nicht nur ein gutes, sondern ein so außergewöhnliches, beseelendes Ereignis war - das lag vor allem an der heiteren, ganz selbstverständlichen Weise, mit der Costello seine Gegenwart mit der Vergangenheit verband.

Zwar war der Abend als Liederabend gestaltet, mit Costello am Mikrofon, manchmal an der Gitarre, nur von seinem alten Attractions-Gefährten Steve Nieve am Piano begleitet. Was beide aus diesem minimalistischen Setup erschufen, war gleichwohl nicht weniger als eine theatralische Tour durch das gesamte gemeinsame uvre: vom ungebärdigen Punkrock, den Costello mit zornigen Gesten an der Gitarre sekundenkurz aufleuchten ließ, bis zum wohldurchgearbeiteten Kunstgesang, den er mit großer Geste, manchmal auch vom Mikrofon wegtretend und nur mit seiner Stimme den ganzen Saal beschallend, vortrug; von den schönsten Kompositionen, die er mit Burt Bacharach geschrieben hat, bis zu einer wirklich atemberaubenden Version seines 86er-Hits "I Want You". Vom Weltekel zur Liebe und wieder zurück zu dem Gefühl, dass nicht, was ist, von Dauer sein muss - es fügte sich alles zusammen, ganz ohne Zwang. Man hatte das Gefühl, dass hier jemand, mit großer Ruhe und doch ohne Bedauern, mit denkender Distanz und doch voller Leidenschaft auf all die scheinbar so disparaten Dinge zurückblickt, die er im Lauf seines musikalischen Lebens komponiert und gesungen hat; und dass er sich freut: weil er in allem, was er getan hat, den roten Faden erkennt; die leitende Linie, die dorthin führt, wo er nun steht, und darüber hinaus. "Alles, was ich getan habe, hatte einen Sinn": das, denkt man sich, darf sich Elvis Costello an einem Abend wie diesem denken, während er bis zum nächsten Elvis- Costello-Konzert wieder aus dem eigenen Leben verschwindet. Es ist sicher ein sehr schönes Gefühl. POP-EYE Er mag Schubert, aber das stört uns nicht: Elvis Costello in Berlin.

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Berliner Zeitung, October 27, 2003


Jens Balzer reviews Elvis Costello and Steve Nieve on Saturday October 25, 2003 at Universität Der Künste, Berlin, Germany.


ELVIS COSTELLO PLAYED IN THE UNIVERSITY OF THE ARTS

How it all fits together


English via Google Translate...

Given the overwhelming, heartwarming and allesumarmenden jubilation, Elvis Costello has sparked on Saturday in the University of the Arts, in an almost verehrungswütigen, the artist with minute-long standing ovation again uncompromising applauding throughout on stage audience; In view of this wonderful, the audience happy only after three time passing by quickly exhausted hours and dismissing the concert at the end of Elvis Costello with his friends in the choir sang like a big family; Given this through and through philanthropic and everything and everyone hugging appearance we should run one last time before it comes to young people, the Elvis Costello might only know of nights like this all into oblivion, to highlight once again the following circumstance.

As a young man, at the beginning of his career in the mid-seventies, Elvis Costello was once the most decisive and convincing misanthrope, which there was in Pop world; an enemy to all people, especially women; a blustering Pub and punk rocker who announced his eternally-unsung nasal Cockney of the world only as a veil of tears to leaving and sang of love relationships exclusively in the imagery of fascist warfare.

That was years ago. Now Elvis Costello is almost fifty years old, newly in love, and an artist; as the main inspiration for his new album "North" it has designated the composer Franz Schubert. The amazing thing is: It does not bother one; either on disc or during the accompanying concert. Since his turn to great art, sometime in the early nineties, Elvis Costello has indeed done a whole bunch of pretentious quarks, think of his Shakespearean setting with the Brodsky Quartet. "North" but has become a wonderful, quite effortless and light appearance, despite the unmistakable artistic intent plate; with melodies that can no longer get out of your head - and with a song that is so bold and beautiful, so pop by way of unspoiled and yet so bold in high baritone heights screwing, as one of Costello himself on his hitherto most beautiful sung album "Painted From Memory" is rarely heard. The fact that the concert on Saturday now was not only a good, but so extraordinary, animating event - that was mostly due to the serene, quite unself-conscious way, combined with the Costello his present with the past.

Although the evening was designed as an evening of songs, both created with Costello on the microphone, sometimes on guitar, accompanied only by his old Attractions-mate Steve Nieve on piano. Was from this minimalist setup, no less than a theatrical tour was nevertheless through the entire common oeuvre: the unruly punk rock, the Costello was light seconds short on the guitar with angry gestures, until well-crafted art song, he wegtretend and beschallend only with his voice the whole hall, recited with a flourish, sometimes from the microphone; of the most beautiful compositions, which he wrote with Burt Bacharach, up to a truly stunning version of his 1986 hit "I Want You". From his Weltekel to love and back to the feeling that not what is permanent must - it fitted all together, without coercion. One had the feeling that someone, with great tranquility, yet without regret, with thinking distance and yet full of passion look back on all of these seemingly disparate things that he composed in the course of his musical career and has sung; and that he is pleased: because he recognizes the common thread in all that he has done; the conductive line that leads to where he is now, and beyond. "Everything I've done, had a sense": that, one imagines, Elvis Costello may think of a night like this, as he disappears from his own life to the next Elvis Costello concert. It is certainly a very nice feeling.

POP-EYE He likes Schubert, but that does not bother us: Elvis Costello in Berlin.

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