Eclipsed, April 2013

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Elvis Costello — Der Alleskönner

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Auch wenn er „Elvis" im Namen führt, Declan Patrick Aloysius MacManus — so der bürgerliche Name von Elvis Costello — war die Reinkarnation Buddy Hollys im Zeitalter des Punk. Mit Bürstenschnitt, Sakko, Krawatte und Brille (später kam noch die Kreissäge — der charakteristische Strohhut — hinzu) war er die Antithese zum Outfit der Siebziger. Und dass er anfangs als Punk wahrgenommen wurde, war sicher nur der allgemeinen Unfähigkeit geschuldet, ihn überhaupt einzuordnen. Denn der wahre Elvis stand selbst zur Subkultur in Opposition.

Costello war von Anfang an ein Provokateur, trat gern in Fettnäpfchen, konnte sich nicht entscheiden, ob er das britische Pendant zu Bruce Springsteen oder der nette Freak von nebenan sein wollte. Seine Einflüsse waren vielfältig: Rock 'n' Roll, Rockabilly, Country, Blues, Ska, Soul, Jazz, irgendwann Klassik. Costello wandelte sich von der schnodderigen Heulboje früher Tage zu einer ernstzunehmenden Popart-Institution. Neben seinem eigenen, reichen Output schrieb er auch Songs für Kollegen wie Johnny Cash, Aimee Mann oder Roger McGuinn.

Sein Typ hat sich in den letzten 35 Jahren kaum verändert, sein Standing hingegen sehr. Er hat an Autorität gewonnen, kollaborierte mit dem Brodsky Quartet, Burt Bacharach, Allen Toussaint, Bill Frisell oder Roy Nathanson. Der 58-Jährige betreibt seit jeher ein musikalisches Mimikry, bei der er seine Farbe zwar wechselt, seine Form aber stets beibehält.


My Aim Is True (1977)

Sein Debüt spielte Elvis Costello mit einer amerikanischen Bar-Band ein (deren Kern die Keimzelle von Huey Lewis & The News war). Dieser Umstand zeichnete verantwortlich dafür, dass dies später als der typische Costello-Sound wahrgenommen wurde: Britischer New-Wave-Intellekt trifft auf US-amerikanische Musiktradition. Costello war cool, eckig, schlau — aber er tauchte tief in die Geschichte der populären Musik der USA ein, was seine Songs von Anfang an anders klingen ließ. Zwar perfektionierte er die Methode später noch, doch so frisch und revolutionär wie hier klang diese selbstredend nie mehr.

Top-Tracks: Less Than Zero; Alison; Watching The Detectives; Waiting For The End Of The World; Miracle Man


Armed Forces (1979)

Costello befand sich mit seinem dritten Album auf dem melodischen Höhepunkt seines Schaffens. Das archaische Cover spiegelt nur bedingt die hier enthaltene Musik wider. Die zwölf Nummern sind melodisch und wirken zunächst sogar sanft. Doch der Zynismus des Declan McManus ist kaum zu überhören, sodass die beliebte Mischung aus Melancholie, Wohlklang und bitterbösen Textzeilen, die bereits Ende der Siebziger zum Markenzeichen des Briten geworden war, auf „Armed Forces" seinen Höhepunkt findet. Vielleicht ist es auch deswegen das Lieblings-Costello-Album vieler Musikkritiker.

Top-Tracks: Oliver's Army; Accidents Will Happen; Two Little Hitlers; Chemistry Class; Green Shirt


This Year's Model (1978)

Costellos zweites Album ist ein absoluter Klassiker. Hier definiert er seinen Markenkern. Die Verabredung zwischen entspanntem Rock'n'Roll und rebellischem Punk ist zukunftsweisend. Costello vermeidet bewusst die Entscheidung für die eine oder andere Seite und bleibt damit bei sich selbst. Auffällig ist das matschige Orgelspiel seines Langzeitmitstreiters Steve Nieve, das so überhaupt nicht in die Zeit passen will. Costello tatstet die Grenzen des damals Machbaren aus, hängt es aber nicht an die große Glocke. Diese pathetische Beiläufigkeit sollte seine große Stärke bleiben.

Top-Tracks: Radio Radio; Hand In Hand; Night Rally; Little Triggers; Lipstick Vogue


King of America (1986)

Kaum ein Album spaltet die Gemeinde der Fans und Kritiker so sehr wie diese Kollaboration mit T-Bone Burnett. Costello erkundet nicht nur intensiv US-amerikanische Musik, er tut dies auch noch in einem recht mainstreamigen Soundgewand. Und doch entwickelt er unter dem Deckmantel des Country-rock ein wahres Feuerwerk an Ideen, und seine augenzwinkernde Amerika-reise wird zur unterhaltsamen pädagogischen Erkundungsfahrt. Er imitiert nicht, sondern eignet sich die einheimischen Spielarten des Pop an und dreht sie solange durch den Costello-Fleischwolf, bis am Ende eines seiner feinsten Alben herauskommt.

Top-Tracks: Little Palaces; Indoor Fireworks; Jack Of All Parades; Brilliant Mistake; Sleep Of The Just


Painted From Memory (w/Burt Bacharach) (1998)

Diese Kollaboration war lange vorbereitet — wohl, weil sich die beiden Partner über den Umstand bewusst waren, dass sie damit etliche ihrer Stammhörer irritieren würden. Auf der einen Seite der englische New-Wave-/Pop-Zyniker mit dem nölenden Organ. Auf der anderen Seite US-Gentleman Burt Bacharach, Inbegriff für „perfekten Wohlklang" und die große, gerne dramatische Geste. Die kuriose Konstellation ging dennoch auf: Bacharach steuerte Schönklang voller Streicher, Oboen, Flügelhörnern usw. bei, Costello brachte die Lieder mit seiner rauen Stimme auf den Boden zurück. Harmonie pur!

Top-Tracks: This House Is Empty Now; I Still Have That Other Girl; Toledo; God Give Me Strength


Get Happy!! (1980)

Anders als das grauselige, an Be-Bop-Alben der Fünfziger erinnernde Cover und der Titel suggerieren, ist „Get Happy!!" keine Reminiszenz an den Gute-Laune-Rock'n'Roll einer heimeligen, vergangenen Ära, sondern es stellt einfach nur eine Verfeinerung von Costellos zwischen Rock, New Wave und Beatles-Harmonien situiertem Stil dar. Das Album ist mit seinen zwanzig Titeln eine wahre Tour de force, musikalisch sogar noch ein bisschen weniger rotzig als die drei Vorgänger. Costello brilliert als Balladen-Crooner, was „Get Happy!'" zum wohlklingendsten Album von Costellos Frühwerk macht.

Top-Tracks: The Imposter; Clowntime 15 Over; I Stand Accused; Love For Tender; B Movie


Brutal Youth (1994)

Nach den recht ätherischen, versponnenen „The Juliet Letters" verpasste Costello sich mit dem Nachfolger „Brutal Youth" ein Jahr später einen musikalischen Kurswechsel hin zu seinen Pop- und Rockwurzeln. Die 15 Songs ergeben das vielleicht „britischste" Werk, das Elvis bis dato aufgenommen hatte. Es gibt jede Menge Reminiszenzen an die Kinks, die Beatles oder die Troggs. Die Balladen sind rar gestreut, dafür kracht es immer wieder herrlich, der Meister strotz vor Saft und Kraft. Und: „Brutal Youth" war das erste Album mit den Attractions seit acht Jahren. Satter Klang, alles wie gehabt.

Top-Tracks: This Is Hell; London's Brilliant Parade; Kinder Murder; Sulky Girl


Außerdem...

Auf Trust (1981) ist Costellos Können als Songwriter voll ausgereift, was aber ein wenig auf Kosten seiner künstlerischen Unschuld geht. Dieses Gefühl wird von dem sich durchziehenden zynischen Unterton noch verstärkt. Das melancholische Imperial Bedroom (1982) war Costellos bis dahin experimentellstes Album. Er koppelte sich von seinen Wurzeln ab. Erstmals empfahl er sich als Artrocker und arbeitete bewusst mit Soundcollagen. Blood & Chocolate (1986), seine erste Zusammenarbeit mit T-Bone Burnett, ist ein kraftstrotzendes Folk- und Countryrock-Album. Costello vollzieht die glaubwürdige Wandlung vom britischen Working Class Hero zum amerikanischen Roots-Rocker.


When I Was Cruel (2002)

Auf „When I Was Cruel", seiner ersten Platte seit sechs Jahren, klingt Costello so unbeschwert, dass ihm die Mitte abhandenzukommen droht. Das mit Jazzeinflüssen gespickte Album ist feinnervig, wirkt aber über Strekken zu ambitioniert. Die einstige Sicherheit im Zugriff auf Zwischenräume wirkt hier etwas orientierungslos. So bleibt Costellos erste CD mit seiner neuen Band The Imposters letztlich ein viel zu harmloser und unbeholfener Versuch, an die Erfolge vor der Jahrtausendwende anzuknüpfen. Gute Songs sind ihm dennoch gelungen, die man sich nur in anderen Einspielungen wünschte.

Top-Tracks: Spooky Girlfriend; Soul For Hire


The Juliet Letters (w/The Brodsky Quartet) (1993)

Elvis Costello gilt seit jeher als Egomane, der seine Ideen unbedingt um- und durchsetzen will. Doch immer wieder gibt es Ausreißerperioden, in denen sich der Brite als Teamplayer entpuppt. So Anfang der 1990er, als er mit den Streichern von EnglandS berühmtem Brodsky Quartet eine „Song Sequence For String Quartet And Voice" mit dem Titel „The Juliet Letters" einspielte. Jenseits von Kitsch und Pomp, den Klassik/Pop-Symbiosen oft mit sich bringen, paarte sich hier fabelhaftes Songwriting mit Costellos unvergleichlicher Stimme. Hohe Arrangierkunst, wenn auch gelegentlich etwas zu spröde und verkopft.

Top-Tracks: For Other Eyes; Taking My Life In Your Hands; This Sad Burlesque


National Ransom (2010)

Zum Glück verhinderten weder E-Musik-Ausflüge noch Kooperationen mit Easy-Listening-Legenden, dass der britische Elvis auch hin und wie-der amtliche Gitarrenalben ablieferte. Alben, auf denen die Songs zwischen Melancholie, wunderbaren Harmonien und beißendem Sarkasmus hin und her pendeln. „National Ransom" er-reichte als klassische Songplatte viel-leicht nicht mehr die Höhen von „Brutal Youth" oder „When I Was Cruel", doch wie Mr Costello auch nach über drei-ßig Jahren immer noch Melodien und durchweg wunderbare Arrangements aus dem Ärmel schüttelt, ist einfach nur bewundernswert.

Top-Tracks: Jimmie Standing In The Rain; You Hung The Moon; National Ransom


Außerdem...

Als Punch The Clock (1983) erschien, haftete Costello noch der Ruf des New-Wave-Musikers an. Mit „Punch The Glock" und Klassikern wie „Ship-building" gelang die ersehnte Entwick-lung hin zu größerer Stilvielfalt. Bei Mighty Like A Rose (1991) erzielte er mit Stargästen wie Paul McCart-ney oder Marc Ribot ein spannungs-und abwechslungsreiches Ergebnis. Auch All This Useless Beauty (1996) fünf Jahre später kam kompromisslos und souverän daher, setzte voll auf spannende Melodien. Und dann ge-lang dem Allround-Mann mit My Fla-me Burns Blue (Live) (2006) endlich auch das erste halbwegs gelungene Live-Dokument - samt schmissiger Big-Band-Arrangements.


Spike (1989)

,,Spike" war das Einstandsalbum von Elvis Costello bei seiner neuen Plat-tenfirma Warner. Sein Ziel war offen-sichtlich nicht nur das Label zu wech-seln, sondern auch musikalisch einige Altlasten - wie ein Übermaß an Rup-pigkeit und Zorn - über Bord zu wer-fen und diese durch Eleganz sowie spielerische Leichtigkeit zu ersetzen. Um diesen Anspruch umzusetzen, bot Costello eine Heerschar von Gastinter-preten auf, zum Beispiel Paul McCart-ney und die Dirty Dozen Brass Band. „Spike" wurde eine raffinierte Angele-genheit. Dafür mangelt es allerdings den Songs eklatant an Seele. Way too sophisticated!

Top-Tracks: Tramp The Dirt Down; Veronica


Außerdem...

North (2003) dokumentiert die kom-plette Neuaufstellung eines Sängers, der bislang mit klassischen Projek-ten so seine Schwierigkeiten hatte. Doch plötzlich besteht seine Stimme vor dem Orchester, getragen von sei-ner neuen Liebe zu Diana Krall. Mit seinem sinfonischen Werk II Sogno (2004) überschreitet er dann jedoch die Grenze zum Lächerlichen. Die Apologetik dieser Einspielung ist kaum zu überbieten. Goodbye Cruel World (1984) wurde von Costello selbst als die schlechteste CD seiner Karriere bezeichnet. Mit seiner Beschreibung für diese flüchtige Eighties-Plastik-Produktion liegt er nicht ganz falsch. An der CD stimmt eigentlich nichts. Nicht einmal Costellos Schnodderig-keit wirkt echt.


Kojak Variety (1995)

„Kojak Variety" ist das merkwürdigste, uninspirierteste, am wenigsten nach-vollziehbare Werk in Elvis Costellos ausuferndem CEuvre. Das fängt schon mit der Idee dahinter an: Der Exzen-triker hatte sich zum Ziel gesetzt, 15 seiner persönlichen Lieblingssongs -zumeist obskure Sachen aus der Soul-und R&B-Ecke - neu zu interpretieren. Elvis bastelte sich seine eigene Juke-box zusammen. Doch den Sinn dahin-ter verstand niemand. Warum covert ein bleicher Brite lustlos Songs von Altmeistern wie Willie Dixon, Mose Al-lison oder Randy Newman? Lediglich Bob Dylans „I Threw It All Away" kann halbwegs überzeugen.

Top-Tracks: I Threw lt All Away

Michael Fuchs-Gamböck, Wolf Kampmann, Sascha Seiler

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Eclipsed, April 2013


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