Event, September 2014

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Elvis Costello

Ich bin an keine Moden mehr gebunden

Thomas Reitmair

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event.: Sie rufen ja gerade aus London an, aber Sie leben schon seit längerem in den USA ...

Elvis Costello: Das stimmt, ich Lebe schon seit mehr als 25 Jahren in den Staaten. Man lebt eben dort, wo die Familie ist und meine habe ich in den USA gefunden. Aber ich habe mich ohnehin nie mit diesem Modell der nationalen Identität identifizieren können, das liegt wohl auch an meinem familiären Background. Mein Vater war ebenfalls Musiker und wir haben nicht in einem Palast, sondern in einem bescheidenen Haus gelebt und er hat mir gezeigt, dass nicht unser Besitz oder unsere Nationalität unsere Identität ausmachen, sondern das, was wir tun und wofür wir stehen. In meinem Fall war das auch die Musik, es war meine Berufung, das zu tun, was ich liebe — und das ist etwas, wofür man dankbar sein kann.


Dieser Berufung gehen Sie bereits seit 40 Jahren nach. Fängt man da manchmal an, nostalgisch zurückzublicken, oder sind Sie eher der Typ, der den Blick immer nach vorne richtet?

Wenn ich zurückblicke, dann eigentlich nur, um herauszufinden, was nützlich war, was funktioniert hat. Sachen wie: Haben mich meine Songs nun in eine vorteilhafte Position gebracht, oder sollte ich sie alle wegschmeißen und von vorne anfangen (lacht)? Manchmal möchte man alles hinter sich Lassen und etwas Brandneues anfangen, anstatt immer wieder dieselben Songs zu singen, aber im Moment fühle ich mich eigentlich gut ausbalanciert — und das war nicht immer so. Ich sehe das so: Der Star bin nicht ich, der Star ist mein Songbook. Ich kann einen Song singen, den ich mit 17 geschrieben habe oder einen brandneuen, ich kann etwas Bekanntes spielen oder etwas, das die Leute noch nie gehört haben und plötzlich ist das der beste Song der Show. Ich bin an keine Moden mehr gebunden und kann mir heute, vor allem live, viel mehr Freiheiten herausnehmen.

Sie haben ja schon immer gegen die Konventionen des Musikgeschäfts gerudert. So wie z.B. bei Ihrem aktuellen Album, das zusammen mit der Kultband The Roots entstand und überwiegend in deren Proberaum improvisiert wurde.

Ja, diese Guerilla-Situation war wirklich großartig. Es war so völlig anders als eine konventionelle Produktion und es herrschte dauernd diese kreative Spannung. Jede dieser Gelegenheiten bietet neue Umstände und damit neue Ergebnisse. Man muss nur vermeiden, solche Situationen und Abläufe zu ritualisieren, man sollte es einfach passieren lassen. Aber die Zeiten, in denen ein Album noch so etwas wie ein Event war, sind ohnehin vorbei ...

Gehen Sie so auch Ihre Liveshows an, in dem Sinne, dass Sie versuchen, eingefahrene Mechanismen zu vermeiden?

Ich kenne meinen Back-Katalog und ich denke, ich weiß was davon funktioniert, also könnte ich, wenn ich wollte, ganz routiniert so eine Art Best-Of-Setlist runterspielen. Aber jedes Konzert ist ein ganz spezieller Moment für sich, wie ein Drama, das in diesem Moment inszeniert wird und das immer für Überraschungen gut ist. Ich habe vor kurzem bei einem Gig einen Song gespielt, der mehr als 30 Jahre alt ist und den ich so gut wie nie live gespielt habe und dieser Song war buchstäblich der Show-Stopper. Die Leute sind völlig mitgegangen und man kann nicht wirklich sagen, warum gerade dieser Song in diesem Moment diese Verbindung hergestellt hat.

Eine echte Win-Win-Situation eigentlich. Sich selbst und das Publikum immer wieder überraschen zu können ...

Ja schon, obwohl diese Überraschungen natürlich sowohl gut als eben auch manchmal schlecht ausfallen können. Ich hatte auch schon Abende, an denen läuft gar nichts, egal was Du spielst, egal welchen Song du aus dem Hut zauberst. Aber es geht ja auch nicht nur um Unterhaltung und Erfolg — und auch solche Konzerte werden zu einer Erfahrung und einem Teil deiner Geschichte. Ich sehe mich selbst als Erzähler meiner Geschichte, die ich mit meinen Songs erzähle. Und natürlich kann ich nicht alles erzählen und bei jedem Konzert wähle eine anderen kleinen Abschnitt aus und jedes Konzert fügt einen neuen Aspekt hinzu und wird wieder Teil der Geschichte. Ich versuche mich vom Moment leiten zu lassen ... macht das Sinn (Lacht)?


Termine: 7.10.-14.10. u.a. Hamburg, Berlin, Mainz

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Event, September 2014


Thomas Reitmair interviews Elvis Costello.

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