Frankfurter Neue Presse, December 23, 2015

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Elvis Costello

Ex-Punk im Weißen Haus

Der Rockstar hat es zum allseits geachteten Pop-Universalgelehrten gebracht. „Unfaithful Music – Mein Leben“ heißt seine Autobiografie.

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  Thomas Borchert

Erinnerungsschwarte“ nennt Elvis Costello selbstironisch und entspannt sein Mammutwerk über das eigene Leben als Punk-, Rock-, Pop-, Jazz- und in -zig anderen Sparten rastlos aktiver Musiker. Stolze 780 Seiten geht es durch die 61 Jahre eines bewegten Lebens.

Von der Geburt als Sohn eines Tanzorchestersängers über den Aufstieg zum Rockstar bis zum jetzigen Status als eine Art „Elder Statesman“ der Populärmusik: Costello spielt als umfassend gebildeter Musikvermittler im Weißen Haus vor Präsident Obama zu Ehren des geadelten Kollegen Sir Paul McCartney auf. Er hat in Stockholm Schwedens König Carl Gustaf bei einer Preisverleihung in wohlgesetzten Worten erklärt, warum Burt Bacharachs Hits wie „Do You Know The Way To San José“ musikalisch fast dieselbe Klasse halten wie eine Fuge von Bach.

Mit Bacharach hat Costello selbst hochgelobte Musik fabriziert, mit Ex-„Beatle“ McCartney Popsongs komponiert, einen Zyklus für das klassische Brodsky-Quartett geschrieben und mit dem Jazz-Trompeter Chet Baker gesungen. Er hat Lieder für die Mezzo-Sopranistin Sofie von Otter verfasst, mit seinen Bands „The Attractions“ und den „Imposters“ Hitparaden gestürmt und vor zwölf Jahren die berühmte Jazz-Pianistin und -Sängerin Diana Krall zusätzlich auch noch geheiratet.

Klar, dass es da viel zu erzählen gibt. Dieser Meister des musikalischen Eklektizismus kann sich als Schreiber genauso intelligent, ideenreich und wortgewandt äußern wie musikalisch. Wenn er doch nur etwas mehr Übersicht für den Leser geschaffen und den Drang zum Erzählen ein bisschen gezähmt hätte! Es geht hier ohne chronologische oder innere Logik kreuz und quer durch Costellos Werdegang. Gerade hat man den Aufstieg der „Attractions“ zum Punk- und New-Wave-Erfolg Mitte der 70er Jahre nachvollzogen, da geht es plötzlich unvermittelt zurück zu längst verblichenen Vorfahren, bis zum Urgroßvater des 1954 in London als Declan Patrick MacManus geborenen Musikers. Um dann auf einmal wieder ein neues, gewagtes musikalisches Projekt mit weltberühmten Partnern bestaunen zu dürfen.

Schade auch, dass Costello offenbar Vollständigkeit bei der Aufzählung seiner Aktivitäten, vor allem denen mit namhaften Mitstreitern, wichtig gewesen zu sein scheint. Das ermüdet. Wo doch dieser Mann mit seinen literarischen Fähigkeiten locker mit Bob Dylans „Chronicles“, Patti Smith’ Erinnerungen „Just Kids“ und erst recht mit denen von Keith Richards in seinem viel gelobten „Life“ mithalten kann.

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Frankfurter Neue Presse, December 23, 2015


Thomas Borchert reviews Unfaithful Music & Disappearing Ink.
This article also appeared in the General-Anzeiger and in the Nassauische Neue Presse and in Schwerin Volkszeitung and in Süddeutschen Zeitung and in the Westdeutsche Zeitung and in Westfälische Nachrichten and at Derwesten.de.

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2014-10-29 Liverpool Echo photo 01.jpg
Elvis Costello, literarisch ebenso beweglich wie musikalisch – nur leider ein Chaot.

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