Hamburger Abendblatt, November 25, 1998

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ELVIS COSTELLO INTERPRETIERT BURT BACHARACH

Freuden und Fallgruben des Lebens


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Elvis Costello ist erwachsen geworden. Einmal mehr, denn in den vergangenen Jahren deutete bereits manch eigenwilliges Projekt auf eine nachhaltige Veränderung seiner musikalischen Vorstellungen hin. Mal gesellte sich der New Yorker Saitenschänder Marc Ribot zu seiner Band, mal gestaltete er gemeinsam mit dem Brodsky Quartet Kammerpop-Miniaturen. Offene und komplexere Ausdrucksformen fanden ihren Platz neben dem bissigen Sound des britischen Rock'n' Roll.

Diesmal aber geht er noch ein bißchen weiter. Denn Elvis Costello spielt mit Burt Bacharach. Nach 21 Jahren wechselhafter Karriere und ebenso vielen Alben trifft der ehedem zornige Anti-Held des Popbusineß auf den Statthalter des gepflegten Entertainments. Und er ist begeistert von der eleganten Professionalität seines Pendants: "Burt ist sehr exakt mit seiner Musik. Alles ist präzise ausgearbeitet. Das ist etwas anderes als bei Rockbands. Da zeigt man jemandem die Akkorde und dann wird improvisiert. Bei Burt geht nichts verloren. Es ist enorm spannend, die Lieder systematisch entstehen zu sehen, zu hören. Denn sie haben eine klare Form. Er will die Melodien nicht verbiegen, damit sie zu den Worten passen. Ich mußte daher sehr aufpassen, daß Lyrics und Musik sich möglichst genau ineinanderfügen."

Ursprünglich sollte aus dem Kontakt der ungleichen Partner nur ein einzelner Song werden. Vor rund zwei Jahren wurden Costello und Bacharach gefragt, ob sie zu Allison Anders Film "Grace Of My Heart", der fiktiven Lebensgeschichte eines Liedermachers aus den Sechzigern, gemeinsam ein Stück beitragen könnten. Sie sagten zu, komponierten innerhalb von fünf Tagen "God Give Me Strength" und mußten feststellen, daß sie beide an der kreativen Blitzaktion ihren Spaß hatten. So wuchs über ein Jahr hinweg die Idee des gemeinsamen Albums, bis sie sich im vergangenen Frühjahr ernsthaft an die Arbeit machten.

Bacharach komponierte und arrangierte die Musik, Costello schrieb und sang die Texte. Es entstanden zwölf Lieder über die Freuden und Fallgruben der Leidenschaften: "Die Songs handeln alle von der Liebe, manche ausladender, manche leichter, manche sogar ein wenig verstörend. Denn an einem so globalen Topos fasziniert, daß er nahezu jedermann in irgendeiner Form betrifft. Es ist der Grund, warum wir leben, es ist eine sehr menschliche Angelegenheit, weil jeder sich darin wiedererkennen kann. Denn es gibt keine endgültige Antwort auf all die Fragen, die Lügen, die Geschichten. Manche unserer Stücke handeln davon, daß es Spaß macht, wenn es einem schlecht geht, andere erzählen vom Verlassenwerden, von der sehnsüchtigen Leidenschaft. Da handelt es sich um ganz fundamentale menschliche Zusammenhänge."

Und da geht es auch um die Fusion zweier divergierender persönlicher Stilistiken. Bacharachs klangarchitektonisch perfekt balancierte Popkunstwerke vernetzen sich mit Costellos pathetisch kehliger, zuweilen stilecht larmoyanter Stimme. Der wirkungssichere Wohlklang trifft auf die ästhetische und inhaltliche Kantigkeit des Songwritings. Die Mischung funktioniert und ergänzt sich, "Painted From Memory" hat das Zeug zum ironisch getönten Kult-Album für formatgenervte Individualisten. Es wird außerdem nicht nur ein Studioprojekt bleiben. Denn einige Auftritte in den USA und London haben Bacharach und Costello schon gemeinsam bestritten. Und der Gitarrist Bill Frisell nahm bereits eine Jazz-Version der Stücke auf. Neben Costello selbst soll auf diesem Remake unter anderem Cassandra Wilson mitwirken. Ein Album zieht Kreise, irritiert, entzückt und wird so oder so zum Klassiker.
Elvis Costello with Burt Bacharach "Painted From Memory". Mercury 538 002-2.

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Hamburger Abendblatt, November 25, 1998


Hamburger Abendblatt reviews Painted From Memory.



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