Hamburger Abendblatt, October 22, 2003

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Costellos romantische Seite

Schauspielhaus: Die neue Liebe hat sein Leben verändert - jetzt singt er Balladen. Elvis Costello ist heute zu Gast in Hamburg.

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Heinrich Oehmsen

Gerade ist "North" erschienen, ein Balladenalbum, das der Rock- und Punkmusiker Elvis Costello zusammen mit den Jazzmusikern Peter Erskine, Mike Formanek, seinem langjährigen Begleiter, dem Pianisten Steve Nieve, und einer großen Jazzband plus Streichern aufgenommen hat. Heute gibt er ein Konzert im Deutschen Schauspielhaus.
ABENDBLATT: "North" klingt, als sei es für eine Frau geschrieben . . .
ELVIS COSTELLO: Das Album birgt in der Tat eine Menge Liebe. Beim Schreiben sieht man Menschen vor sich und wurde von ihnen inspiriert, aber ein Album macht man nicht nur für einen, sondern für viele Menschen.
ABENDBLATT: Wann hatten Sie die Idee zu "North"?
COSTELLO: Das war nicht geplant, das passierte überraschend. Ich war auf Tour mit meiner Band, den Impostors, mit denen ich ganz andere Sachen spiele. Die Songs passierten einfach. Am Ende der Tour hatte ich sechs Songs, kehrte nach Europa zurück und habe die letzten Songs dann Neujahr vollendet. Da wusste ich, das ich ein Album zusammenhabe.
ABENDBLATT: Warum nur Balladen?
COSTELLO: Ich habe ein, zwei Songs in anderen Stilen geschrieben, aber mich im Großen und Ganzen in derselben Stimmung bewegt. Der emotionale Verlauf vollzieht sich von dunkel zu hell. Ein Rocksong war nicht dabei.
ABENDBLATT: Hatten Sie beim Schreiben andere Musik im Kopf? Beim Hören von "North" habe ich sowohl an Gil Evans als auch an Schubert gedacht.
COSTELLO: Ihr Schubert-Hinweis ist interessant. Wenn ich das sagen würde, hätte es den Anschein, als würde ich mein Werk erhöhen wollen. Ich habe in der Tat viel Schubert gehört, im Charakter der "North"-Songs steckt sicher mehr von romantischen Liedern des 19. Jahrhunderts als von Rock 'n' Roll. Ich wollte keinen Liederzyklus schreiben, aber am Ende wurde es doch einer.
ABENDBLATT: Waren die Arrangements bereits fertig, als Sie ins Studio gingen?
COSTELLO: Im Gegenteil. Die Songs waren fertig und die Ideen zu den Arrangements in meinem Kopf. Die orchestralen Klangfarben hatte ich jedoch schon beim Komponieren im Kopf. Sie sind nicht erst später hinzugefügt worden.
ABENDBLATT: War es Ihre Intention, ein Jazzalbum aufzunehmen?
COSTELLO: Nein, ich wollte ein Balladenalbum machen. Aber was bedeutet Jazzalbum eigentlich? Viele Jazzmusiker improvisieren doch über Popsongs, die oft harmonisch recht schlicht sind. Jazzmusiker haben sie oft erst weiterentwickelt. Meine Einflüsse sind vielfältiger. Ich bin zu Hause mit Sinatra, Ella Fitzgerald und Peggy Lee aufgewachsen. Dann folgten die Beatles, Motown, Bacharach, Joni Mitchell. Ich konnte also aus ganz viel Musik schöpfen.
ABENDBLATT: Sie haben inzwischen auch eine Ballettmusik für Orchester geschrieben, und das, obwohl Sie erst vor wenigen Jahren Noten zu lesen gelernt haben. Ist es für einen Rockmusiker wie Sie nicht langweilig, all die Noten für eine komplette Partitur runterzuschreiben?
COSTELLO: Nein, überhaupt nicht. Es ist zwar physisch harte Arbeit. Aber wenn du siehst, wie so ein Werk Gestalt annimmt, liegt darin eine tiefe Genugtuung. Es ist eine unglaubliche Erfahrung, im Publikum zu sitzen, die Ouvertüre zu hören und dann zu sehen, wie die Tänzer von deiner Musik vorangetrieben werden.
ABENDBLATT: Wie haben Sie die Musiker für dieses aufgenommene Projekt gefunden?
COSTELLO: Mit dem Jazzsaxophonisten Lee Konitz beispielsweise war es einfach Glück - er hat in New York gespielt, als wir im Studio waren. Ich habe ihn angerufen, und zehn Minuten später hat er zugesagt. Sein Name war mir das ganze Leben ein Begriff! Selbst wenn solche Leute dir nicht aktiv etwas beibringen: Einfach mit ihnen zu arbeiten führt dir vor Augen, was es bedeuten kann, sein Leben der Musik zu verschreiben.
ABENDBLATT: Wen bringen Sie mit zu Ihrem Konzert nach Hamburg?
COSTELLO: Nur Steve Nieve. Dafür wurden die Songs von "North" ja eigentlich auch geschrieben. Ich denke, nur mit Pianobegleitung sind sie sehr lebendig. Steve und ich haben ein sehr großes Repertoire, wir können uns auf Songs beziehen, die vor sehr langer Zeit geschrieben worden sind. Solche Dinge würde ich nicht missen wollen.
ABENDBLATT: Sie haben in New York aufgenommen. Wo leben Sie, wo ist Ihre "home base"?
COSTELLO: Ich habe 13 Jahre in Dublin gelebt. Wo meine "home base" derzeit liegt, ist schwer für mich zu sagen. Ich bin nach 16 Jahren geschieden, befinde mich nun in einer wundervollen neuen Beziehung und werde vielleicht wieder heiraten.
ABENDBLATT: Sie sprechen von Diana Krall?
COSTELLO: Ja. Sie ist eine großartige Sängerin und Pianistin und hat entscheidenden Einfluss auf mein Leben. Es ist schön, so etwas ganz ohne Scham sagen zu können.

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Hamburger Abendblatt, October 22, 2003


Heinrich Oehmsen interviews EC regarding his new album North ahead of his appearance with Steve Nieve on Wednesday October 22, 2003 at Schauspielhaus, Hamburg, Germany.



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