Husumer Nachrichten, October 24, 2003

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Husumer Nachrichten

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Der Mann, der aus wenig viel macht


Dagmar Leischow

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Er sieht traurig aus in seinem schwarzen Anzug; aber er hat enorm viel Witz. Er braucht auf der Bühne nur seine Gitarren und einen Pianisten. Aber seine Show ist besser als die mancher Hightech-Band: Elvis Costello in Hamburgs Schauspielhaus — einfach ein Erlebnis.

She" singt er nicht, schade. Das ist das einzige Manko des Abends. Ansonsten bietet Elvis Costello seinen Fans im Deutschen Schauspielhaus in Hamburg zweieinhalb großartige Stunden. Zur Einstimmung spielt er einige ältere Stücke auf seiner akustischen Gitarre. Dann stellt er zu den leisen Piano-Klängen von Steve Nieve die melancholischen Songs seines neuen Albums „North" vor. Ohne die schnulzigen Geigen der Studioaufnahme klingen die Lieder noch anrührender. Vor allem „Someone took the Words away" geht zu Herzen, bis ein Handy schrillt. Egal. Der Sänger lässt sich nicht aus der Fassung bringen. Unbeirrt interpretiert er „You left me in the Dark" oder „Still". Bei diesen Titeln taucht das Publikum in bewegende Momente von Costellos Leben ein.

Danach wird's lustig. Der Sänger erzählt: Was wäre, wenn der Himmel eine Lounge wäre? Zwölf Fernseher gäbe es dort, grübelt er. In etlichen Programmen liefen Talkshows, versteht sich. Frauen würden gebannt "Sex and the City" verfolgen, in der Hand einen Cosmopolitan. Ein amüsantes Szenario. Überhaupt: Costello hat Humor. Immer wieder animiert er seine Fans zum Mitsingen. Jetzt die Damen", ruft er — und dirigiert den Frauenchor. Auf den ersten Blick wirkt dieser Mann in seinem schwarzen Anzug so seriös wie die Mitarbeiter eines Beerdigungsinstituts, auf den zweiten entpuppt er sich als erstklassiger Entertainer. Eine ironische Bemerkung, eine Geste — aus wenig macht Costello viel.

Drum braucht er kein aufwändiges Dekor. Nur seine Gitarren und Nieves Piano zieren die Bühne. Manchmal entlockt er seinen Instrumenten psychedelische Rockklänge, manchmal lässt er seinen brillanten Pianisten sein Können unter Beweis stellen: Jeder Ton sitzt. Deshalb wollen die Besucher die beiden Musiker nicht gehen lassen. Mit tosendem Applaus erklatschen sie sich fünf Zugaben. Als Costello bei „I'm in the Mood again" selbst Piano spielt, offenbaren sich all seine künstlerischen Qualitäten: Er ist ein begnadeter Instrumentalist, ein guter Sänger und Komponist. Solche Talente kann heutzutage kaum jemand vorweisen. Zurecht verabschieden ihn seine Fans am Schluss mit stehenden Ovationen.

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Husumer Nachrichten, October 24, 2003


Dagmar Leischow reviews Elvis Costello and Steve Nieve, Wednesday, October 22, 2003, Schauspielhaus, Hamburg, Germany.

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