Husumer Nachrichten, September 20, 2003

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Husumer Nachrichten

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Der Schwierige


Dagmar Leischow

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Elvis Costello sei schwierig, heißt es. Ein Eigenbrödler. Diesem Ruf macht er beim Interview in Dublin alle Ehre. Seine Laune ist anfangs ebenso finster wie sein schwarzer Anzug. Vor ihm liegt ein Blatt mit Kritzeleien. Es zeugt davon, wie sehr ihn die vorhergehenden Interviews langweilten: Suchen Sie mit jeder CD eine neue Herausforderung? Wie ist „North" in Ihr Gesamtwerk einzuordnen? Solche Fragen gehen ihm auf die Nerven, ehrlich: „Ich verstehe nicht, warum vor allem männliche Journalisten stets nach einem roten Faden in meinen Aufnahmen suchen. Es gibt keinen!" Immer alles zu analysieren, das sei, nun ja, Schwachsinn: „Bing Crosby hat seine Songs auch nie erklärt. Er ließ sie für sich sprechen." Gestehen wir dieses Recht also auch dem 48-Jährigen zu. Die CD „North" erzählt Geschichten, die das Leben schrieb. Sein Leben: Eheprobleme, Trennung, Schmerzphase, neue Liebe — all diese persönlichen Erlebnisse spiegeln die neuen Stücke wider. Wenn Costellos Bariton im ersten Lied „You left me in the Dark" mit dramatischen Streichern und dezenten Piano-Klängen verschmilzt, ach, dann kann einem die Melancholie eine Träne in die Augen treiben. Beim Nachfolger „Someone took the Words away" wird die Dramatik gar mit Saxofon-Soli auf die Spitze getrieben — da ist man sprachlos vor Rührung. Costello schmunzelt. Genau darum gehe es in diesem Titel, sagt en „Deine Gefühle haben dich derartig überwältig, dass du nicht die richtigen Worten findest. Du schweigst, statt mit deinem Partner zu sprechen." Sei's drum, der Sänger ist nun aus seiner Lethargie erwacht. Er redet und redet Über seine Songs, über seine Verlobte Diana Krall, die Lieder wie „When green Eyes turn blue" inspirierte. „Für mich ist es ein Geschenk", schwärmt er, „mein Leben mit dieser großartigen Musikerin teilen zu dürfen." Vielleicht erinnern die „North"-Stücke deshalb an die Standards, die die Krall zu interpretieren pflegt. Dieser Vergleich ist Musik in Costellos Ohren, versteht sich. Trotzdem will er keine unsterblichen Werke komponieren: „Für mich zählt nur der aktuelle Erfolg", erklärt er. „Was schert es mich, was nach meinem Tod aus meinen Liedern wird?"

Immer in die Zukunft zu denken, nein, das ist nicht sein Ding. Lieber lässt er seine Vergangenheit Revue passieren. Der Sohn eines Trompeters und einer Schallplatten-Verkäuferin verdankt seinen vielseitigen Musikgeschmack vor allem seinen Eltern. „Zuhause hörten wir alles von Pop bis Klassik", erinnert er sich. »Andere Kinder kannten alle Fußballer, ich kannte alle Jazzer." Und heute? Heute hat sich Costello mit fast jedem Musiker zwischen Mozart und Marilyn Manson auseinander gesetzt. Letzterer sei nur eine Witzfigur, höhnt er: „Warum manche Menschen Manson als Bedrohung empfinden, ist mir rätselhaft. Der wiederholt doch bloß das, was Alice Cooper schon vor vielen Jahren machte."

Was soll's? Über solche Möchtegern-Provokateure zu sprechen, sei sowieso Zeitverschwendung. Es gibt wichtigere Dinge für Costello. Seine Verlobte zum Beispiel. Mit Diana Krall führt er eine Fernbeziehung. Der eine in Europa, die andere in Amerika — wie kann das funktionieren? „Na ja, wir leben intensiver als normale Paare", grübelt der Musiker. „Mal sehen wir uns wochenlang nicht, dann sind wir wieder wochenlang zusammen. Egal. Im Zeitalter moderner Technik lässt sich jede Distanz überbrücken."


Elvis Costello tritt am 22. Oktober um 20 Uhr im Deutschen Schauspielhaus in Hamburg auf.

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Husumer Nachrichten, September 20, 2003


Dagmar Leischow profiles Elvis Costello ahead of his concert, Wednesday, October 22, 2003, Schauspielhaus, Hamburg, Germany.

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2003-09-20 Husumer Nachrichten clipping 01.jpg
Clipping.

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