Mitteldeutsche Zeitung, July 10, 2009

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Steffen Könau

Halle/MZ. - Mal ist er hier, mal ist er dort, immer ist er er selbst und immer ein anderer.

Schriller Anti-Buddy-Holly

Galt der Kerl mit der dickrahmigen Kassenbrille anfangs als eine Art schriller New-Wave-Buddy-Holly, avancierte er später nacheinander zum ersten ernsthaften englischen Countrysänger, zum Produzenten der Ska-Truppe The Specials und zum Mentor der dauertrunkenen Folkpunk-Band The Pogues. Nach der Hochzeit mit deren Bassistin lieferte Costello das Album "Punch the Clock", das ihn als Popstar zeigte, anschließend legte er sich für "Spike" eine dicke Bläsersektion zu, ehe er für "The Juliet Letters" das leise Brodsky-Quartett engagierte: Costello sang nicht mehr, er sprach nur noch und die Texte waren nicht von ihm, sondern von William Shakespeare.

Es war nie Verlass, auch danach nicht. Mal machte er wüsten, lauten Pub-Rock, mal gemeinsame Sache mit der Sopranistin Anne Sofie von Otter, mal schrieb er Ballettmusik oder erwies dem Easy-Listening-König Burt Bacharach die Ehre. Wer Costello hörte, erkannte den Meister meist allenfalls an der Stimme, die an eine zu straff gespannte Klaviersaite erinnert. Oder an den grandiosen Melodien, mit denen er von Anfang an auch bekanntere Kollegen wie Johnny Cash, Aimee Mann oder Roger McGuinn beliefert hat.

Für "Secret, Profane & Sugarkane", sein 36. Album in den letzten 32 Jahren, hat sich Costello wieder mit seinem alten Freund T-Bone Burnett zusammengetan, mit dem er früher gelegentlich als "The Coward Brothers" aufgetreten war. Burnett hatte schon bei "King Of America" und "Spike" die Regler gedreht, den beiden Alben, die Costello seine größten Erfolge diesseits seiner Filmsoundtrack-Arbeiten etwa für "Unterwegs nach Cold Mountain" bescherten.

Das ist 20 Jahre her, doch in den 13 eher zufällig zusammengestellten Liedern funktioniert das Paar wie einst. Die Stücke, von Costello ursprünglich über viele Jahre verteilt für andere Interpreten geschrieben, wirken wie aus einem Guss. Sicherlich auch, weil Costello sie hier in einem Stil präsentiert, der zum Aufnahmeort Nashville passt. Zu Bluegrass-Rhythmen und Folk-Gesang erklingen - abgesehen von Burnetts Kay-Gitarre - ausschließlich akustische Instrumente. Die Dobro wimmert, ein Akkordeon weint, Gitarre und Fiddle duellieren sich, als säße die Band in einem staubigen Diner irgendwo im mittleren Westen der USA.

Cowboyhut auch im Bett

Dass der Mann mit der Gießkannenstimme, der hier klingt, als trüge er den Cowboyhut auch im Bett, eigentlich Brite ist, weiß wahrscheinlich schon niemand mehr. Costello selbst eingerechnet, so echt wirkt er im Cowboykostüm. Doch wenn der 55-Jährige erstmal einen Ton gefunden hat, hält er ihn eben stets glaubhaft bis zum Ende durch. In "I Felt The Chill" leidet er, seit sechs Jahren verheiratet mit Jazz-Chanteuse Diana Krall, am Eindruck, die Küsse seiner Geliebten könnten nicht von ungefähr irgendwie anders schmecken neuerdings. In "Hidden Shame" fetzt die Akustik-Kapelle im D-Zug-Tempo vorüber, während er ätzend rappt. Und "She Handed Me A Mirror" sieht Elvis Costello, den letzten großen Eigensinnigen der Popmusik, herzblutend den verschmähten Liebhaber markieren. Die Stimme quäkt und quengelt und die Tränen fließen wie einst bei "Deep Dark Truthful Mirror" von "Spike", auf dem er mit Paul McCartney zusammen Songs geschrieben hatte.

Auch diese Rolle übernimmt diesmal T-Bone Burnett. Das gemeinsam komponierte "Sulphur to Sugarkane" ist ein lässiger Shuffle, den es wahrscheinlich gibt, seit die erste Gitarre aus einer Gitarrenbauerwerkstatt kam. "The Crooked Line" dagegen ein Fiedel-Stück, das nach Erntedank und Tennentanz klingt - sicher auch, weil die große Emmylou Harris patentierten Countryschmelz aus dem Background zuliefert.

"Secret, Profane & Sugarkane" ist ein archaisches Werk geworden, das nicht das Zeug zum Hit hat. Aber das zum Klassike

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Mitteldeutsche Zeitung, July 10, 2009


Steffen Könau reviews Secret, Profane & Sugarcane.

Images

2009-07-10 Mitteldeutsche Zeitung photo 01.jpg
Declan Patrick MacManus alias Elvis Costello trägt die Sonnenbrille auch nachts.
(Photo credit: Universal)

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