Musik Joker, June 11, 1979

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Musik Joker

1979 June 11


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„Was soll ich gesagt haben"

Krach um Elvis Costello

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  Fred Schruers

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NEW YORK — Declan McManus, 24, ist manisch bemüht, sich in Amerika unbeliebt zu machen. Das würde nicht weiter auffallen, wenn der Brite nicht unter dem Künstler-namen Elvis Costello ein Star wäre, der gerade durch Amerika tourt.

Erster Fall: Er nannte Ray Charles einen „ignoranten blinden Nigger" und bezog dafür postwendend Prügel von Stephen Stills Roadies. Anschließend gab er der Stills-Sängerin Bonnie Bramlett die Auskunft: „Wir hassen euch Scheiß-Amis. Wir sind nur wegen des Geldes hier." Bonnie anschließend: „Leider hatte ich mir gerade an dem Tage vorgenommen, eine Lady zu werden. Sonst hätte ich ihm in seinen verdammten englischen Hintern getreten."

Fall zwei: Elvis bezeichnete den Rhythm & Blues-Sänger Ja, mes Brown als „blöden schwarzen Wackelarsch".

Die US-Tournee, von dem cleveren britischen Promoter Des Brown monatelang mit einer Publicity-Invasion vorbereitet, ist seitdem zum Horrortrip geworden. Elvis Nr. 2 wird nun von karate geschulten Bodyguards umgeben, die nicht genau wissen, ob sie ihren Auftraggeber schützen sollen oder das Publikum. Des Brown geht vor Konzerten höchstpersönlich durch die Stuhlreihen und reißt den Fans und den professionellen Fotografen die Filme aus der Kamera und die Tonbänder aus den Kassetten. In einer Pressekonferenz, die dem Costello-Management nach dem Eklat unvermeidlich schien, beantwortete der übelgelaunte New Wave-Rocker die Fragen der Journalisten mit immer derselben Gegenfrage: „Was, das soll ich gesagt haben?" Eine Entschuldigung oder eine Erklärung ließ er sich nicht abringen.

Das einzige Zugeständnis, zu dem Elvis bereit war: „Ich werde in meinen letzten US-Konzerten eine ganze Stunde spielen." Bisher hatte er seine Fans mit vierzig Minuten abgespeist. Das hatte oft zu Krawallen geführt, die bisweilen blutig endeten.

In diesen Tagen beendet er die 53-Tage-Tournee, wofür er 69 Tage in dem ihm angeblich so verhaßten Amerika verbrachte. Die meiste Zeit davon auf der Straße in einem für ihn umgebauten luxuriösen Silver Eagle-Bus.

Costello kann sich's leisten — seine Plattenumsätze sind astronomisch. 1977 hatte er sein Debüt mit My Aim Is True, 300 000 wurden verkauft. 1978 kam die zweite, This Year's Model, ähnliche Umsätze wurden gemeldet. Und Armed Forces, Anfang dieses Jahres veröffentlicht, verkaufte sich 650 000mal.

Elvis könnte also zufrieden sein, doch er hat immer unsichtbaren Schaum vorm Mund. Vielleicht gibt seine Biographie Aufschluß über seine Agressivität. Möglicherweise entspringt sie einem Rachegefühl gegen die Mächtigen in der Musikbranche. Elvis schlägt zurück und zahlt es den Machern heim, die ihn jahrelang erniedrigt haben.

Der eigentlich eher schüchterne Declan McManus verließ mit 16 sein Elternhaus. Sein Vater Ross war Sänger in dem berühmten Tanzorchester von Joe Loss, einer Kapelle, die in britischen Musichalls ein Knüller war wie Benny Goodman in Amerika.

Der stets einsame Sohn litt darunter, daß er nicht sonderlich beachtet und gehätschelt wurde. Der Vater war dauernd unterwegs und stand vor tausend Leuten auf der Bühne. Ein Traumjob, fand der Sohn. Doch im Elternhaus und bei Freunden fand der etwas unscheinbare, unauffällige Junge keine Unterstützung, etwas ähnliches wie sein Vater zu werden. Verletzt in seinem Stolz, verließ er die Familie und wurde Programmierer für die Computer einer Londoner Kosmetik-Versand-Firma. Der Job, den er 1971 ergriffen hatte, langweilte ihn entsetzlich. „Diese Eitelkeits-Fabrik hat mich unheimlich wütend gemacht", sagte er einmal.

Elvis versuchte damals, nachdem er den Job hingeschmissen hatte, Musiker zu werden. Er nahm unter primitivsten Umständen Bänder auf und putzte die Klinken bei den Plattenfirmen. Sein Freund, der Bassist Nick Lowe, erinnert sich: „Er war gezwungen, sich bei den Managern anzubiedern. Das hat ihn verbittert. Das ist auch verständlich. Es ist hart, immer wieder von Leuten abgewiesen zu werden, die nichts von Musik verstehen. So jedenfalls sieht es ja der Musiker, dessen Einfälle oder Vorstellungen von den Musik-Beamten oft nicht begriffen werden."

Lowe kannte Elvis schon länger: „Er trieb sich damals im Cavern Club in Liverpool herum. Ich spielte mit der Brinsley Schwarz Band. Elvis war ein äußerst hartnäckiger Fan, fast lästig in seiner aufdringlichen Hilfsbereitschaft. Er trug unser Equipment und legte eilfertig Kabel."

Etwas später traf Lowe Elvis in einer U-Bahn-Station in London zufällig wieder. Er fragte ihn, wie es ihm geht. Elvis: „Nicht besonders." Er hatte gerade mal wieder mit seiner Gitarre die Plattenfirmen reihum abgeklappert. Vergeblich. Lowe schleppte ihn zu dem neuen unabhängigen Label Stiff, das gerade mit Ian Dury Furore machte. Und die Stiff-Leute flippten aus auf Elvis Songs. Sie hatten sofort erkannt, daß das etwas Neues war. Der Rastlose hatte endlich eine Heimat gefunden.

Der Publicity-Manager Jake Riviera entwarf eine Strategie, die genau auf Elvis paßte: Der Rebell aus dem Mittelstands-Milieu, einer, der stellvertretend für alle die stillen Frustrierten Denkmäler anpinkelt und keinerlei Respekt vor Autoritäten hat.

Doch jetzt wurde es selbst Riviera zu viel. Er bezeichnete Elvis' rassistische Äußerungen als „betrunkene Kneipen-Idiotie".

Rolling Stone Redakteur Chet Flippo fragte Elvis in der erwähnten Pressekonferenz: „Was würden Sie sagen, wenn man Sie einen verkrüppelten Tommy nennen würde?" Elvis brach in schallendes Gelächter aus und prustete: „Das ist mir gerade in Ohio passiert."

Damit schwebte die Frage, unzureichend beantwortet, im Raum. Und da schwebt sie immer noch...

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Musik Joker, June 11-24, 1979


Fred Schruers profiles Elvis Costello  {From Rolling Stone, May 17, 1979 ).

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