Oberösterreichische Nachrichten, October 28, 2014

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Elvis Costello:
Cash, Dylan und die schreienden Kinder


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Lukas Luger

Anlässlich seines Posthof-Konzerts trafen die OÖNachrichten Elvis Costello zum Exklusivinterview.

Warum sein Nachwuchs bei seinen Songs flüchtet, was Johnny Cashs Sohn ihm geschenkt hat, und warum er auf seinem neuen Album unveröffentlichte Texte von Bob Dylan vertont, verriet der 60-Jährige im OÖNachrichten-Gespräch.


OÖNachrichten: Vor wenigen Tagen haben Sie eine Version von Bing Crosbys "I Surrender Dear" (1931) für den Soundtrack von Boardwalk Empire eingespielt und veröffentlicht. Was an Crosbys Nummer fasziniert Sie?

Elvis Costello: Ehrlich gesagt, die Produzenten des Soundtracks haben den Song für mich ausgewählt. Randall Poster, der Musikverantwortliche der Show, hat eine fantastische Band zusammengestellt, die den Sound dieser Zeit perfekt zum Leben erweckt. Diese Burschen spielen zu hören, ist wie eine Zeitreise. Aber es ist keine fade Geschichtsstunde, denn die Band sprüht vor Freude.

Haben Sie eine Lieblings-Coverversion eines Ihrer eigenen Stücke? Die Version Ihres Songs "Hidden Shame", die Johnny Cash 1989 für sein "Boom Chicka Boom"-Album eingespielt hat, halte ich für ein Meisterwerk…

Absolut! Ich meine, wenn Johnny Cash einen deiner Songs spielt, dann ist das schon "pretty good". Für die riesige Anzahl an Stücken, die ich geschrieben habe, bin ich relativ selten gecovert worden. Diese riesigen Textlawinen will offenbar außer mir niemand singen (lacht). Kürzlich hat Johnnys Sohn, John Carter Cash, mir ein von seinem Vater handgeschriebenes Manuskript von "Hidden Shame" geschenkt. Das hat mir sehr viel bedeutet. Es zeigt, dass Cash nicht einfach den Text im Studio runtergesungen hat, sondern sich wirklich mit der im Stück erzählten Geschichte beschäftigt hat.

Am 14. November wird mit "Lost On The River" ein ganz spezielles Album veröffentlicht. Gemeinsam mit einer Allstar-Band (unter anderem Marcus Mumford, Anm.) spielen Sie darauf unveröffentlichte Songs von Bob Dylan. Wie kam dieses außergewöhnliche Projekt zustande?

T-Bone Burnett, mein Freund und Bruder seit 20 Jahren, hat mich angerufen und erzählt, dass er in den Besitz von 16 handgeschriebenen Texten von Bob Dylan aus dem Jahr 1967 gekommen ist, also jener Zeit, als dieser die "Basement Tapes" aufnahm. Und er fragte, ob ich einer der Musiker sein möchte, die diese Lyrics in Songs verwandeln. Es war eine aufregende Zeit!

Wie schräg war es, diese Stücke aus dem "Heiligen Gral des Rock’n’Roll" zu singen?

Es gibt keinen Songwriter, dessen Werk Gegenstand derart vieler verrückter Hypothesen ist, wie Bob. Was aber angesichts der poetischen Qualität seiner Texte oft übersehen wird, ist, welch immens hart arbeitender Schreiber und Performer er bis heute ist. Bereits damals hat er viel mehr Lieder geschrieben, als er je aufnehmen konnte. Davon profitierten wir. Und dass er uns bei "Lost On The River" die Freiheit gab, seine Lyrics zu verändern und der Musik anzupassen. Man darf Songs nicht wie Kostbarkeiten behandeln, auch wenn Bobs Texte große literarische Qualität haben.

Ist es künstlerisch befreiend, alleine auf der Bühne zu stehen?

Diese Solo-Shows erlauben mir die größtmögliche Freiheit. Ich kann mich mit meiner Gitarre hinsetzen und einfach spielen. Wenn ich will, sogar ohne Strom. Wenn der Ort es erlaubt, verzichte ich auch auf Mikrophone. Das hebt die Distanz zum Publikum auf.

Ihr Vater war Big-Band-Sänger, Ihr Großvater Trompeter. Hat dieses Erbe die Art und Weise, wie Sie über Musik denken, geprägt?

Und meine Mutter hat in einem Plattenladen gearbeitet. Sie hat in den 50ern Soul-Platten aus Amerika, die man in England damals nicht kaufen konnte, nach Liverpool geschmuggelt. Diese familiäre Prägung hat mir eine Sache klargemacht: Musik gehört niemandem. Nicht mir persönlich, auch nicht einer bestimmten Generation. In ein paar Tagen spiele ich etwa mit Georgie Fame (britischer R&B-Musiker, Anm.) auf einem Blues-Festival in London. Er hat mir als Teenager die Musik von Count Basie oder Big Joe Turner nähergebracht. Und zwar mit einer Frische und Eleganz, dass ich nie auf die Idee gekommen wäre, das der Blues ja eigentlich die Musik meiner Elterngeneration ist.

Wie reagieren denn Ihre Kinder auf die Musik von Elvis Costello?

Sie rennen in der Regel schreiend aus dem Zimmer.

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Oberösterreichische Nachrichten, October 28, 2014


Lukas Luger interviews Elvis Costello and reviews his solo concert, Sunday, October 26, 2014, Posthof, Linz, Austria.

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Großer Star mit feschem Schuhwerk: Elvis Costello im Posthof Linz.



Hut ab, Herr Costello


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Lukas Luger

25 Songs in 140 Minuten, davon alleine acht Zugaben – schon rein quantitativ war der Auftritt des britischen Pop-Melodienmagiers Elvis Costello am Sonntag im restlos ausverkauften Linzer Posthof ein beeindruckender. Noch erstaunlicher als die schiere Masse an Liedgut erwies sich aber die erlesene Qualität des Gebotenen.

Stimmlich absolut auf der Höhe und mit einem Füllhorn an schrägen Anekdoten und Schnurren ausgestattet, spielte sich der 60-Jährige mit dem markanten Krankenkassa-Gestell durch ein Solo-Set, das eine virtuose Mischung aus tiefgründigen Klavier-Balladen, rustikalem Folk, gelegentlichen Country-Seufzereien, New-Orleans-Klängen und ausgefeilten Pop-Arrangements bot.

Herausragend: eine Gänsehaut-Version von „Everyday I Write The Book“, ein episches „Watching The Detectives“, der unwiderstehliche Tränenzieher „She“, sowie eine zu Herzen gehende „Alison“-Interpretation ohne Mikrophon und Verstärker, die den Saal für dreieinhalb Minuten totenstill werden ließ. Mit dem gemeinsam mit Burt Bacharach komponierten „He’s Given Me Things“ gab’s sogar eine echte Weltpremiere zu beklatschen. Hut ab, Herr Costello!

Elvis Costello: Solo in Concert, Posthof Linz, 26. Oktober
Bewertung: Sechs von sechs Sternen

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