Plattentests, October 14, 2018

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Elvis Costello & The Imposters -Look Now

Concord / Universal .
VÖ: 12.10.2018

   Martin Makolies
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Unsere Bewertung: Star full.svgStar full.svgStar full.svgStar full.svgStar full.svgStar full.svgStar empty.svgStar empty.svgStar empty.svgStar empty.svg
Eure Ø-Bewertung: Star full.svgStar full.svgStar full.svgStar full.svgStar full.svgStar full.svgStar full.svgStar full.svgStar empty.svgStar empty.svg

Alles, was so grün ist

Wer der CD-Sleeve des neuen Albums von Elvis Costello und den Imposters etwas Aufmerksamkeit schenkt, wird ihnen alsbald begegnen: grünen Augen, und zwar überall. Die Erklärung dafür liefert der 64-Jährige in "Mr. & Mrs. Hush", einem der zwölf neuen Stücke auf "Look now": "Green is the colour of my true love's eyes / And green is the colour of those jealous disguises." Damit wäre auch das textliche Spannungsfeld dieser Platte abgesteckt. Die leidenschaftliche, zu schnell als unsterblich eingestufte Liebe auf der einen, ihre dreckige Kehrseite mit Neid, Eifersucht und Rachgelüsten auf der anderen Seite. Dass Costello oftmals den weiblichen Blickwinkel einnimmt sorgt dann zusätzlich dafür, dass auf der Erzählebene mal wieder für viele Fallhöhen gesorgt ist. Aber es handelt sich hier ja nicht um einen Roman oder eine Kurzgeschichten-Sammlung, weshalb ein Blick auf die musikalische Umsetzung gestattet sei.

Dabei fällt zunächst auf, dass Costello eine alte Stärke verloren zu haben scheint. War er auf seinen bahnbrechenden Durchbruchsalben "My aim is true" oder "This year's model" ein Meister darin, die verschiedensten Songbestandteile spannend und schlüssig zu verbinden, geht ihm diese Fähigkeit auf "Look now" zum wiederholten Male ab. Besagtes "Mr. & Mrs. Hush" legt mit sattem Motown-Groove los, hat Soul, hat Blues, hat Funk, nur um dann in einem unsäglich orientierungslosen Refrain auszufransen. Nicht nur gesanglich bewegt sich dieser unentschlossen zwischen Aufruhr und Niedergeschlagenheit, auch The Imposters scheinen hier nur auf flatterhafte Impulse zu reagieren. Der Opener "Under lime" leidet an ähnlichen Symptomen und Costello hätte bei der Instrumentierung ein Machtwort in Richtung Bescheidenheit sprechen sollen: Die Holzbläser-Fanfaren sind zu dick aufgetragen und der Ba-Ba-Ba-Chor kommt so notwendig wie eine Extra-Portion Sahne nach drei Stücken Buttercremetorte.

Andere Songs gehen zum Glück nicht so allumfassend daneben, "Don't look now", eine Zusammenarbeit mit Burt Bacharach, etabliert mit leergeweinten Klaviertönen die Stimmung eines verlassenen Apartments an einem trüben Morgen, doch springt Costello etwas zu hastig zu den höheren Tönen und stört damit die ansonsten überzeugende Tristesse. Partiell findet man Großartiges in einem Song wie dem mit Carole King gemeinsam entwickelten "Burnt sugar is so bitter", als da wären das wunderbar warme Schlagzeug und der soulige Backgroundchor.

Es darf halt nicht zu viele Elemente geben, mit dem Costello rumspielen könnte, denn dann verzettelt er sich. Als Gegenentwurf jedoch dienen auf "Look now" einige Songs, die sich mit weniger begnügen und dadurch eine emotionale Wahrhaftigkeit haben, die andernorts fehlt. "Stripping paper" belässt es bei einem Dahingleiten in der Bedrückung, ein wohlgenährter Bass rundet das traurige Spiel ab und so entsteht ein tiefer, gefühliger Fußabdruck. "Unwanted number" punktet dagegen mit Motown-Shuffle und Technicolor-Soul-Refrain. Exakt einmal gelingt das Experimentieren dem Briten dann doch: In "I let the sun go down" verquickt er augenscheinlich Widersprüchliches, ein gefühliges Abdriften ins Falsett, domestizierte Streicher und zackige Marching Drums – all das ergibt eine kleine Rockoper mit "Abbey road"-Anstrich, opulent aber geschmackssicher. "Look now" ist damit ein weiteres leicht überdurchschnittliches Album von Costello, die Wartezeit auf ein rundum gelungenes Werk seit "When I was cruel" noch nicht beendet. Wenn jetzt jemand aus dem Plattentests.de-Forum noch die Augenfarbe von Mr. Costello nennen könnte, dann wäre wohl alles geklärt.


Highlights

  • Stripping paper
  • I let the sun go down
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Plattentests, October 14, 2018


Martin Makolies reviews Look Now.

Images

Look Now album cover.jpg

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