Rolling Stone Germany, July 2009

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Back in Costello Country

Unter der Regie von T Bone Burnett nahm Elvis Costello
ein Bluegrass-Album auf - und freut sich
über seine Freiheit und Alters-Spontaneität.

Michael Endelman

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Als Elvis Costello das erste Mal ein Album in Nashville aufnahm, endete es fast im Desaster. „Wir wohnten in so einem berüchtigten Rock'n'Roll-Hotel und tranken die ganze Nacht mit Gregg Allman", sagt Costello über die Sessions zu Almost Blue, seinem Album mit Country-Cover-Versionen von 1991. „Das waren neun Tage Dauersuff. Es ist ein fucking miracle, dass dabei überhaupt ein Album fertig wurde."

Im April kam Costello für eine weniger exzessive und konzentriertere Session wieder in die Music City. „Diesmal versuche ich mich nicht als Country-Sänger", sagt er. Stattdessen enthält Secret, Profane & Sugarcane 13 Songs im reduziertem Appalachen-Sound: das muntere Tuckern und der metallische Twang des Bluegrass, verknüpft mit Costellos tremolierenden Vocals, verzweigten Melodien und typisch giftigen Lyrics. Aufgenommen wurde live-to-tape mit Produzent T Bone Burnett — in nur drei acht-stündigen Sessions. „Es brauchte einfach nicht länger", sagt Costello. _Deswegen ist die Platte auf keinen Fall schludrig gemacht — nur eben kompetent.« 

Angesichts von fast 30 Studioalben seit 1977 ist man von Costello eine hohe Schlagzahl gewohnt, doch dieses Album kam unerwartet, auch für ihn. „Vor zwei Jahren war ich nicht mal sicher, ob ich überhaupt noch Platten machen wollte", sagt Costello, der 2008 das rockige „Momaßtlaeveröf-fentlicht und eine Talkshow moderiert hat. „Es machte einfach keinen Spaß mehr." Doch als er dann im Herbst 2007 einige Shows im Vorprogramm von Bob Dylan spielte, packte ihn die Idee, ein Unplugged-Album zu machen: „Niemand im Publikum war meinetwegen gekommen — also konnte ich neue Songs ausprobieren. Die Leute klatschten, und schon war ich weg."

Costello testete den größten Teil des „Sugarcane"-Materials — einschließ-lich einiger Songs, die er für eine noch unvollendete Oper über Hans-Christi-an Andersen schrieb — auf der Dylan-Tour, dann arrangierte er sie fertig und spielte sie mit einer kompletten Band 2007 beim MerleFest in North Caroline und 2008 beim „Hardly Strictly Bluegrass"-Festival in San Francisco.

Die Band — Roots-Musik-Asse wie Dobro-Spieler Jerry Douglas, Mandolinist Mike Compton und Sänger Jim Lauderdale — stellte Burnett zusammen. Er belieferte Costello auch mit Songideen: „T Bone schickte mir Robert Johnsons ,From Four Till Late' und eine Sidney-Bechet-Platte. Und sagte: ,Könnten wir etwas schreiben, was diese beiden Ideen zusammen-packt?" Das Ergebnis, „Sulphur To Sugarcane", ist eine ironisch-spötti-sche Blues-Tirade Marke „l've Been Everywhere" über flatterhafte Frauen von Poughkeepsie/ New York bis Ypsilanti/ Michigan. „Den Song habe ich bei Dylan jeden Abend gespielt', sagt Costello. „Erstaunlich, wie viel Applaus man dafür bekommt, dass man die versammelte Weiblichkeit ei-ner Stadt der Liederlichkeit zichtigt."

Sugarcane enthält auch zwei Songs, die Costello einst für Johnny Cash schrieb: den Shuffle Noir „Complicated Shadows" und die Honky-Tonk-Nummer „Hidden Shame". (Cash nahm nur letztere auf.) „Ich kann seine Stimme in dem Song hören", sagt Costello über „Hidden Shame", das auf der wahren Geschichte eines Häftlings basiert, der gesteht, seinen besten Freund ermordet zu haben. „Der Konflikt darin, diese großen moralischen Entscheidungen über Leben und Tod, schienen mir zu seinem Gesang zu passen."

Die Liebesleid-Ballade „I Felt The Chill" schrieb er Seite an Seite mit der Nashville-Legende Loretta Lynn: „Sie hatte eine große Schachtel voller Zettel mit Songfragmenten und Textideen. Aus der zog sie einfach Songtitel heraus und sagte: ‚Hat den Titel schon mal jemand benutzt? Komm, den nehmen wir jetzt.'

Costello genießt seine Rückkehr zu Country und Americana, die er — weniger orthodox — auch auf King Of America und The Delivery Man praktizierte. So sehr, dass er mit Rosanne Cash und Kris Kristofferson im Studio war und Lucinda Williams zu einem Album mit Country-Duetten bewegen will. „Damals (1981) war die Reaktion der Einheimischen so ungefähr: ,Nimm deine Pfoten von meiner Freundin", erinnert er sich. „Aber heute mache ich einfach, was ich eben mache. Ich bin kein Bluegrass-Sänger, aber ich habe die Songs nun mal so gehört. Diese Stories wollen so erzählt werden. Und heute kann mir keiner mehr sagen, was ich tun oder lassen soll." Er hält inne und lacht. „Aber das konnte ja eh noch niemals jemand, von daher macht es wahrscheinlich keinen verdammten Unterschied."



Noten aus Nashville

Costellos frühe Flirts mit C&W

„Stranger In The House"
von: My Aim Is True (Reissue)

Ein Pedal-Steel-getriebener Track, der wegen zu viel Twang von Costellos De-büt-Album flog. Jedoch ein Favo-rit von George Jones, der den Song 1979 als Duett mit Costel-lo aufnahm.

„Good Year For The Roses"
von: Almost Blue

Der herausragende Song auf Costellos Cover-Album von 1981. Großartig ge-sungen und von Nashville-Meister-Produzent Billy Sherrill klassisch mit Streichern und Engelsge-sang glasiert.

„Different Finger"
von: Trust

Ein Song von Costellos zweitem Album im Jahr 1981, in dem Costello eine Frau zu „one night of glory" becirct, dazu ein relaxter Two-Step-Rhyth-mus und das sat-te Klavierspiel von Steve Nieve.

„The Big Light"
von: King Of America

Von Johnny Cash gecoverter Rockabil-ly-Hoppler von 1986 über das schmerz-hafte Erwachen nach zu vielen Flaschen „inspi-ration". Mit dem Gitarrenspiel des Elvis-Begleiters James Burton.

„Heart Shaped Bruise"
von: The Delivery Man

Costello und Emmylou Harris singen wechselweise auf dieser intensiv glü-henden Ballade über stürmisch Liebende auf dem Roots-Rock-Album von 2004. Pedal Steel: John McPhee.

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Michael Endelman profiles Elvis Costello.

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