Wiener Zeitung, July 5, 2005

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Jazz Fest Wien: Shankar, Costello

Affenpredigt und Sitar-Versenkung


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Christoph Irrgeher

Stell dir vor, in der Staatsoper ist Jazzfest - und kein Jazzer geht hin: Mit Ravi Shankar und Elvis Costello triumphierten am Wochenende zwei grandiose Genrefremdlinge beim Wiener Festival.

Erst etwas Pop, zwischendurch Swing, zuletzt ein wenig Country: Wer am Sonntag beim Jazzfest in der Oper Platz nahm, den begrüßten die Bühnenlautsprecher mit einer eigenwilligen Mischung. Doch die passte ja irgendwie zum hausinternen Festival-Aufgebot: Was da ab Freitag mit dem souligen Solomon Burke, Sitar-Legende Ravi Shankar und Elvis Costello geboten wurde, tönte schließlich alles andere als stringent.

Ein stimmiges Präludium war´s dagegen für den letztgenannten Sänger und Songwriter: nach punkigen Jahren als Angry Young Man lässt sich der heute ebenso auf die süßlichen Melodien Burt Bacharachs wie den klassischen Sopran Anne Sofie von Otters ein, wagt sich mit Gattin Diana Krall in jazzige Gefilde, um nebenbei dem rauen Gitarren-Sound die Treue zu halten.

Und freilich auch seinem anarchischen Humor: "Oper ist heute gestrichen", krakelte der Londoner linkisch von der Bühne, nachdem er der Fangemeinde mit seinen impulsiven "Imposters" unter fliegenden Gitarrewechseln einige Rock-Brocken entgegengerammt hatte. Ob der notorische Anzugträger allerdings tatsächlich als Ersatz für Jessye Norman herbeigeeilt war, durfte bezweifelt werden - wiewohl er nuancierte Stimmkultur mit sich brachte: Da wichen die ironischen Zerrspiegel einem nostalgischen "When I was cruel", dem er entrückende Vibrato-Wehmut verlieh, da weitete er seine Otter-Ballade "No Wonder" und den bluesigen "Delivery Man" mit kehligem Timbre ins Epische. Und schwang sich mitunter in poppige Stimmungshöhen: Um etwa nach salbungsvoller Predigt sein "Monkey to Man" jauchzen zu lassen.

Kontemplativer war´s tags zuvor zugegangen, als Sitar-Meister Ravi Shankar auf einem Riesenpersianer ruhte - im Kreis zweier zartbesaiteter Lakaie an der Tanpura, dem dahinwirbelnden Tabla-Spieler Tanmoy Bose und Tochter Anoushka, mit der er nach weitläufigen Versenkungen im Raga-Reich Hochgeschwindigkeits--Dialoge auf dem Sitar führte. Das herbeigepilgerte Publikum war beglückt - ebenso wie der 85-jährige Inder, dem die Reise in Mozarts Wien immer noch als "Pilgerfahrt" gilt.

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Wiener Zeitung, July 5, 2005


Christoph Irrgeher reviews Elvis Costello & The Imposters, Sunday, July 3, 2005, Vienna State Opera, Vienna, Austria.


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